Burschenschaft von

NS-Liederbuch:
Staatsanwaltschaft ermittelt

Wegen Wiederbetätigung gemäß Verbotsgesetz

Burschenschaft - NS-Liederbuch:
Staatsanwaltschaft ermittelt © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Das der schlagenden Burschenschaft Bruna Sudetia zugeordnete Liederbuch mit antisemitischen Texten beschäftigt nun die Justiz.

Die Staatsanwaltschaft Wien hat von Amts wegen ein Verfahren eingeleitet, sagte eine Sprecherin am Mittwoch zur APA. Ermittelt wird gegen unbekannte Täter wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung gemäß Verbotsgesetz.

Burschenschaft weist Vorwürfe zurück

Über die Existenz des Liederbuchs hatte am Dienstag die Wochenzeitung "Falter" berichtet. Die Burschenschaft wies die Vorwürfe zurück. Das betreffende Buch sei niemals in Besitz der Verbindung und daher auch nicht in Verwendung gewesen.

Herwig Götschober, Vorsitzender der Burschenschaft und Pressereferent bei Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ), wurde von diesem und von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in Schutz genommen. Hofer erklärte, es sei "noch nicht klar, woher dieses Buch kommt".

Götschober lässt sich vorerst beurlauben

Als Pressereferent im Büro von Norbert Hofer lässt sich Götschofeber nach den Vorwürfen gegen seine Burschenschaft vorerst beurlauben. Er habe nach Auftauchen eines Liederbuches mit antisemitischen Texten und der Einleitung von Ermittlungen um die sofortige Beurlaubung angesucht, hieß es in einer Aussendung des Ressorts. Die Beurlaubung des Kabinettmitarbeiters soll demnach so lange dauern, bis die Vorwürfe "restlos aufgeklärt" sind.

Die Wiener Wochenzeitung "Falter" hat am Dienstag vom Auftauchen eines weiteren Liederbuches mit antisemitischen Texten berichtet, das der "Bruna Sudetia" zuzuordnen sein soll. Darin findet sich u.a. - wie schon im Liederbuch der "Germania" des ehemaligen niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer - die Liedzeile "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'".

In der Aussendung des Verkehrsministeriums vom Mittwochabend werden die Texte als "zutiefst abzulehnend" bezeichnet. Schon zuvor hatte Götschober via Ministeriums-Sprecher erklärt, er kenne das besagte Liederbuch nicht. Sein eigenes weise weder in Inhalt noch in Aufmachung eine Ähnlichkeit auf, hieß es.

Hausdurchsuchung bei "Bruna Sudetia"

"Falter"-Chefredakteur Florian Klenk berichtete unterdessen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter von einer Hausdurchsuchung bei der "Bruna Sudetia", die am Mittwoch stattgefunden haben soll. Die Staatsanwaltschaft Wien wollte dies gegenüber der APA nicht bestätigen. Man wolle das laufende Ermittlungsverfahren nicht kommentieren, hieß es seitens einer Sprecherin.

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