NR-Wahl wird spannend: Wahlausgang laut Meinungsforschern "offener als erwartet"

Noch bis zu zwei Millionen unentschlossene Wähler Pflegethema wirkt sich derzeit günstig für die SPÖ aus<br>NACHSCHAUEN: So steht's derzeit in den Umfragen!

Bis zu zwei Millionen Wahlberechtigte haben sich noch nicht entschieden, welcher Partei sie am 1. Oktober ihre Stimme geben werden. Im Wahlkampf ist also noch für alle Parteien einiges zu holen, analysieren fünf Meinungsforscher in Gesprächen mit der APA. Die Wissenschaftler sind sich auch weitgehend darüber einig, dass das Thema Pflege eine Chance für die SPÖ ist, auf ihre Sozialkompetenz zu setzen.

"Der Wahlausgang ist offener, als wir noch vor wenigen Wochen erwartet haben", sagt Peter Hajek von OGM. Überraschungen habe es etwa beim plötzlichen Aufkommen der Pflegediskussion gegeben, oder beim Ergebnis der ORF-Generalintendantenwahl. "Das Pflegethema passt gut ins Programm der SPÖ", sagt Hajek. Auch Günther Ogris von SORA meint: "Das Thema ist schon alleine deswegen günstig für die SPÖ, weil es in ihrer Kernkompetenz liegt." Die SPÖ müsse "nur sehr schwache Signale setzen", um glaubwürdig zu sein. Andere Parteien müssten in einem traditionellen Kernbereich der SPÖ "viel stärkere Signale setzen", um das Thema für sich zu nutzen, so Ogris.

Imma Palme von IFES sagt, dass das Pflegethema der "Fächerpalette der SPÖ viel besser entspricht als jener der ÖVP". Ihr Tipp an die Wahlkampfleiter der Sozialdemokraten: "Das Thema in leicht verständliche Häppchen teilen und immer wieder ansprechen." Fritz Karmasin von Gallup schränkt ein: "Es kommt darauf an, wie die SPÖ reagiert." Er gibt zu bedenken, dass die Wähler auch spüren würden, wenn zu große Versprechungen gemacht werden: "Man kann nur das verteilen, was man hat", sagt Karmasin.

Die Meinungsforscher schätzen, dass etwa ein Viertel bis ein Drittel der Wahlberechtigten im Moment noch unentschlossen sind. Ogris gibt die Zahl mit zwei Millionen an. Darunter seien zwar viele Nichtwähler, mindestens 700.000 davon würden allerdings wählen gehen. Peter Ulram von Fessel GfK schränkt aber ein: Viele Wähler würden schon eine Präferenz haben, sie aber nicht angeben. Außerdem würden viele nicht vorhaben zur Wahl zu gehen, dies aber bei Befragungen nicht angeben. "Und viele entscheiden sich erst zwei Wochen vor der Wahl", sagt Ulram. Fritz Karmasin von Gallup hält "die Unentschlossenen im Moment zumindest für die zweitstärkste Fraktion".

Hajek sagt: "Je mehr thematischen Tiefgang im Wahlkampf und je mehr Emotionen es gibt, desto mehr Wähler entscheiden sich erst kurz vor der Wahl." Ogris von SORA hingegen hält Umfragen am Beginn des Wahlkampfes für aussagekräftiger als inmitten der Wahlkampfzeit. "Das zeigt die Erfahrung. Wirklich entscheidend ist die Ausgangslage zu Beginn und die letzten paar Tage im Wahlkampf."

Viele Wähler würden sich nämlich am Beginn des Wahlkampfes für eine Partei entscheiden und es dann vom Wahlkampfverlauf abhängig machen, ob ihre Entscheidung "revidiert oder gerechtfertigt wird", sagt Ogris. Obwohl sich im Verlauf des Wahlkampfs an den Ergebnissen noch einiges ändern kann, werde ein richtiggehender Trend hin zu einer Partei messbar sein, sagt Ulram: "Wenn eine Partei systematisch auf- oder abbaut, wird man das in den nächsten sechs Wochen in den Umfragen sehen." (apa/red)