Nothilfe von

Kirchenglocken
läuten gegen Hunger

Am 28. Juli um 15.00 Uhr für fünf Minuten - 20 Mio Menschen vom Hungertod bedroht

Nothilfe - Kirchenglocken
läuten gegen Hunger © Bild: APA/Gindl

Mehr als 20 Millionen Menschen sind in Äthiopien, Kenia, Somalia, dem Südsudan, dem Sudan, Jemen und in Uganda vom Hungertod bedroht. In einer Solidaritätsaktion sollen in Österreich die Kirchenglocken am 28. Juli um 15.00 Uhr landesweit für fünf Minuten läuten. Das gab die Caritas Österreich bei einer Pressekonferenz im Norden Kenias bekannt.

Die Aktion finde in Österreich zum ersten Mal statt, die Kirchen werden zur Teilnahme aktiv aufgerufen. Am 27. Juli sollen die Details bei einer Pressekonferenz in Wien erläutert werden.

Die Aktion soll ein Zeichen setzen: 15.00 Uhr war die Todesstunde Jesu. "Wir dürfen uns nicht an die Hungersituation gewöhnen", so Caritas-Präsident Michael Landau vor Journalisten in der nordkenianischen Stadt Marsabit in der gleichnamigen Region. 300.000 Einwohner leben dort auf einer Fläche, die circa so groß wie Österreich ist. "Wir kennen die Zahlen und die Entwicklung. Aber solange keine Toten vorliegen, wird weggeschaut."

»Die Uhr zeigt zwei Minuten vor Zwölf«

"Die Uhr zeigt zwei Minuten vor zwölf. Die Situation ist dramatisch, ohne Hilfe droht eine Katastrophe. Es ist ein Skandal, dass im Jahr 2017 die Kinder verhungern. Solange alle zehn Sekunden ein Kind am Hungertod stirbt, haben wir versagt. Wir haben die Mittel und Möglichkeiten, den Hunger zu besiegen, oder wir können weitertun wie bisher und das Ende vieler besiegeln", urgierte Landau ein Umdenken.

"Hunger ist kein Schicksal, Hunger ist ein Skandal", so Landau weiter. 800 Millionen Menschen sind weltweit unterernährt. "Es sind diejenigen, die den Klimawandel am wenigsten verursacht haben, die am meisten darunter leiden."

Unterstützung mit 80 Projekten

Die Caritas Österreich unterstützt derzeit mit 80 Projekten 240.000 Menschen in den weltweit am stärksten von Hunger betroffenen Ländern. "Unser Tun zeigt Wirkung, auch in Afrika", rät Landau auch zu fairen Handelsbeziehungen. "Ich halte die Idee eines Marshallplans für Afrika für sehr überlegenswert."

Österreich sollte einen Afrika-Schwerpunkt während seiner EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2018 setzen. 0,7 Prozent des BIP sollten für die Entwicklungszusammenarbeit aufgewendet werden (EU-Sollwert). Landau kritisiert, dass darunter auch die Flüchtlingshilfe fällt. "Ich würde mir wünschen, wenn der Fokus auf den Schwächsten wäre, und nicht die Betreuungskosten für Flüchtlinge darunter fallen."

Durch die Austrian Development Agency (ADA) könne Österreich einen Beitrag leisten. Die Ernährungssicherheit solle mehr im Fokus stehen. "Ich bin froh, dass der Auslandskatastrophenfonds (AKF) erhöht worden ist", sagt Landau.

Millionenfache Menschenrechtsverletzung

Österreich unterzeichnete die Agenda 2030 der Vereinten Nationen und ihre Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals/SDGs). Diese sind Landau zufolge ein guter Fahrplan. In Österreich würden aber nur 0,05 Prozent der angepeilten zwei Prozent für die am wenigsten entwickelten Länder der Welt ("least developed countries") ausgegeben.

"Hunger ist eine Verletzung des Rechts auf Nahrung; Hunger ist eine millionenfache Menschenrechtsverletzung, die stattfindet", ergänzte Caritas-Generalsekretär Christoph Schweifer bei der Pressekonferenz in Kenia. "Hunger ist ein schrecklicher Skandal, ein Skandal, an den wir uns gewöhnt haben. Die Beseitigung des Skandals ist eine menschenrechtliche und moralische Verpflichtung." Das Ziel müsse eine Welt ohne Hunger bis 2030 sein und nachhaltige Unterstützung, dass sich die Menschen, wenn es zu einer neuerlichen Katastrophe komme, selbst helfen können. "Der massenhafte Hunger wurde aus Europa vertrieben, so muss es weltweit geschehen."

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