Notenpresse von

Hoffen auf Helikopter-Ben

Wirft die Fed heute den Gelddrucker an?

Notenpresse - Hoffen auf Helikopter-Ben © Bild: Reuters/Beawiharta

An den Finanzmärkten rückt zusehends der Zinsentscheid der amerikanischen Notenbank am Mittwochabend in den Blickpunkt. Obwohl sich Fed-Chef Ben Bernanke bis zuletzt eher zurückhaltend geäußert hatte, spekulieren Marktteilnehmer auf eine abermalige geldpolitische Lockerung.

Nach den mit Spannung erwarteten Beschlüssen wird Ben Bernanke die Strategie vor der Presse erläutern. Er hat sich bisher nicht auf Konjunkturhilfen festgelegt, während sich seine Stellvertreterin Janet Yellen offen dafür zeigte. Experten rätseln daher, ob es zur erneuten Lockerung der Geldpolitik kommt und die Notenbank mit neuen Staatsanleihekäufen bereits in die Vollen geht.

Beobachter Bernd Weidensteiner von der Commerzbank erwartet nicht, dass Bernanke & Co. die Notenpresse zum Ankurbeln der Wirtschaft bereits jetzt wieder anwerfen. "Die Fed könnte sich aber für den Weg des geringsten Widerstandes entscheiden und eine Zwischenlösung wählen, nämlich eine Verlängerung der "Operation Twist". Dabei geht es um ein Umschichten des Anleihebestandes, um sukzessive kurzfristige durch langfristige Vermögenswerte zu ersetzen. Damit könnte sie die langfristigen Zinsen weiter drücken und so die Wirtschaft anschieben.

"Wir haben eine eindeutige Abschwächung der US-Konjunktur", sagte Ric Spooner, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses CMC Markets. "Daher muss die Notenbank etwas tun, um das Beschäftigungswachstum zu verbessern. Die Frage ist nun: Werden sie jetzt handeln oder sich zurückhalten, um ihre Feuerkraft dann einzusetzen, falls oder sobald sich die Euro-Krise verschärft?"

Kein Helikopter
Für eine erneute Lockerung der Geldpolitik, sprich Gelddrucken, oder im Fachjargon Quantitative Easing (QE3), auf die einige Investoren setzten, sei es dagegen zu früh. Zwar hat Ben Bernanke einst öffentlich verlautbart im Falle einer Deflation könne die Fed auch mit dem Helikopter Geld abwerfen, was ihm in Finanzkreisen bis heute den Spitznamen Helikopter-Ben einträgt, mit weiteren unkonventionellen Maßnahmen ist aber vorerst nick zu rechnen.

Weitgehend einig sind sich Fachleute, dass die Fed den Korridor für ihren Leitzins bei 0 bis 0,25 Prozent belassen wird. Zudem dürfte sie ihr Bekenntnis zum Festhalten an ultraniedrigen Zinsen bis mindestens Ende 2014 erneuern. Womöglich wird sie sogar weiter gehen und den Märkten für einen noch längeren Zeitraum Planungssicherheit verschaffen.

Europa bringt Unsicherheit
Trotz des ausgebliebenen Bebens an den Märkten nach der Griechenwahl könnte die Krise um Spanien und auch Italien die Fed noch in Zugzwang bringen, die US-Wirtschaft vor den Folgen der wachsenden Probleme in Europa abzuschirmen. Die deutsche Exportwirtschaft hegt bereits leise Zweifel, ob Italien die Krise aus eigener Kraft bewältigt: "Wenn nicht bald weitere Reformen verabschiedet werden, wird Italien das nächste Rettungsland werden", warnte Außenhandelspräsident Anton Börner in einem Presseinterview.