Norwalk-Viren: Unangenehm und weit verbreitet, erstmals 1968 in USA aufgetaucht

Krankheit dauert meist nur ein bis zwei Tage

Hoch infektiös, in ihren Auswirkungen ausgesprochen unangenehm, aber im Grunde wenig gefährlich: die Norwalk- und Norwalk-like-Viren (NV oder NLV), kurz Noroviren genannt. "Diese Viren rufen akute Infektionen des Gastro-Intestinaltraktes hervor. Sie sind leicht übertragbar", sagte der Leiter des Instituts für Virologie in Wien, Univ.-Prof. Dr. Franz X. Heinz, zu den Infektionen im Burgenland gegenüber der APA. "Klassisch" sind Ausbrüche in Spitälern, Pensionisten- und Pflegeheimen, in Schulen, Ferienlagern und auf Kreuzfahrtschiffen.

"Abakterielle Gastroenteritiden des Menschen, die via Lebensmittel, einschließlich Wasser, ausgelöst werden, haben nach jüngsten Erkenntnissen ihre Hauptursache in Norwalk-like Viren (NLV). Für ihre Zunahme gegenüber Rota-, Adeno- und Astroviren sieht man zwei Gründe: Eine echte Zunahme durch immer stärkere weltweite Verbreitung von sogenannten Risikolebensmitteln und eine scheinbare Zunahme durch ein höheres Problembewusstsein und eine verbesserte Diagnostik", schreibt beispielsweise das deutsche Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin zu wachsenden Problemen mit den Noroviren.

Das Virus wurde erstmals mit einem Ausbruch von Magen-Darmerkrankungen im Jahr 1968 in Norwalk (US-Bundesstaat Ohio) in Verbindung gebracht und 1972 entdeckt und beschrieben. Es handelt sich um Angehörige der Familie der Caliciviren. Die Erbsubstanz besteht aus einem positiven RNA-Strang.

Heinz: "Solche Infektionen führen oft dazu, dass ganze Spitalsabteilungen geschlossen werden müssen, weil plötzlich alle - Patienten wie Betreuer - krank werden. Die Erkrankungen sind zwar sehr unangenehm, gehen aber aber bald auch wieder vorbei." Durchfall und Erbrechen sind die Hauptsymptome. Außer bei gebrechlichen Personen und bei Säuglingen mit schwerem Krankheitsverlauf besteht zumeist keine größere Gefahr. Sie kann sich nur auf Grund des möglichen starken Flüssigkeits- bzw. Elektrolytverlustes ergeben.

Der Wiener Virologe: "Deshalb gibt es auch keine ursächliche Behandlung, man behandelt symptomatisch." Medikamentös kann das Erbrechen gestoppt werden, hinzu kommt Flüssigkeits- und Elektrolytersatz.

Die Noroviren sind immer in der Umwelt vorhanden. Sie werden im Stuhl von infizierten Menschen in großer Menge ausgeschieden. Die Krankheitserreger sind hoch infektiös und relativ resistent gegenüber Desinfektionsmitteln, Säuren und Hitze (Absterben erst ab 60 Grad Celsius). Die Infektion erfolgt zumeist von Mensch zu Mensch und über kontaminierte Speisen (Salate, Krabben, Muscheln, Austern, Wasser).

Offenbar kann die Krankheitswelle im Burgenland nicht durch das Mittagessen der Schüler ausgelöst worden sein. Heinz: "Drei Stunden bis zum Krankheitsausbruch, das geht sich mit der Inkubationszeit nicht aus." Aber in Institutionen, in den viele Personen untergebracht sind, kann sich eine solche "Epidemie" schnell aufschaukeln. (apa)