Nordkorea von

Raketen statt Dorfidylle

Regime bereitet nach April-Fehlschuss neuen Raketentest vor. Ganzer Ort abgerissen.

Nordkorea - Raketen statt Dorfidylle © Bild: ED JONES/AFP/GETTY IMAGES

Nordkoreas Regime gibt nicht auf: Nach dem grandios gescheiterten Raketentest im vergangenen April lässt Diktator Kim Jong-un bereits neue Tests von Langstreckenraketen vorbereiten. Satellitenbilder zeigen, dass im vergangenen Jahr auf dem Raketenstützpunkt Musudan-ri im Nordosten des Landes "schnelle Fortschritte" gemacht worden seien, erklärte das amerikanisch-koreanische Institut der John-Hopkins-Universität in Baltimore. Offenbar habe das Regime ein ganzes Dorf abreißen lassen, um eine Anlage für die Montage von Raketen zu errichten.

"Die neue Konstruktion ist für spätere Starts von Raketen einer größeren Reichweite als die kürzlich getestete Rakete vom Typ Unha gedacht", schrieb das Institut in seinem Blog "38north.org". Damit bezogen sich die Forscher auf einen Test vom 13. April. Den Wissenschaftlern zufolge könnte die Anlage bis 2016 oder 2017 einsatzbereit sein. In dem Blog wurden mehrere Fotos veröffentlicht, auf denen Infrastruktur zu sehen ist. Das Institut machte zudem Fortschritte beim Bau eines Leichtwasserreaktors aus, welcher dem Waffenprogramm Nordkoreas nützen könnte.

Pjöngjang hatte erst am Dienstag mit einem Ausbau seines Atomprogramms gedroht. Das Programm sei eine Antwort auf die Anfeindungen der USA, und "wir werden es so lange ununterbrochen ausbauen, wie diese feindselige Politik fortbesteht", erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Der Ministeriumssprecher reagierte damit auf die Erklärung der G-8-Staaten vom Wochenende, die indirekt mit härteren Sanktionen im Fall eines weiteren Atomwaffentests Nordkoreas gedroht hatten.

Nordkorea hatte im Oktober 2006 und im Mai 2009 Atomwaffentests vorgenommen. Zuletzt testete das Land Mitte April eine Rakete mit einem Satelliten, die jedoch kurz nach dem Start ins Meer stürzte. Die USA, Japan und Südkorea sahen in dem Satellitenstart den verdeckten Test einer Langstreckenrakete und damit einen Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates.