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Kriegsdrohung im Korea-Konflikt:
Wie ernst meint es Kim Jong-un?

Armee in "Quasi-Kriegszustand" - Nordkorea im Begriff Südkorea anzugreifen

Kim Jon-un © Bild: Getty/Chung Sung-Jun

Alle paar Monate kommt es zwischen den verfeindeten Ländern Nord- und Südkorea zu Zwischenfällen. Man munkelt, Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un initiiere diese sogar, um die vermeintliche Bösartigkeit des Auslands unter Beweis zu stellen. Damit wolle er die eigene Position bei seinem Volk stärken Nun kam es wieder zu einer Eskalation - und zwar weil Nordkorea angeblich eine Rakete auf südkoreanische Lautsprecher abgefeuert haben soll.

Die Lautsprecher wurden zu Propagandazwecken vor kurzem wieder in Betrieb genommen: Elf Jahre lang waren sie nicht in Betrieb. Auch Nordkorea, das damit ebenfalls das feindliche Volk auf seine Seite ziehen wollte, nutzte die Beschallung nicht. Doch damit ist jetzt Schluss: Beide Staaten nutzen die Lautsprecher wieder.

Eskalation wegen Lautsprechern

Nordkorea fordert Südkorea aus, seine Propaganda-Durchsagen innerhalb von 48 Stunden einstellen - sonst drohten militärische Aktionen. Die Truppen sollten vollständig kampfbereit sein, um "Überraschungsoperationen unternehmen zu können", heiß es aus Pjöngjang. Südkorea kündigte an, hart zu reagieren.

Das Ultimatum hatte Nordkorea bereits am Donnerstag gestellt. Es läuft demnach am Samstag aus. Wie ernst es Jong-un diesmal mit der Kriegsdrohung meint, wird sich herausstellen.

Spannungen zwischen Nord- und Südkorea
© APA/Walter Longauer

Nordkorea zwischen Entspannung und Säbelrasseln

Ende 2011 rief das nordkoreanische Regime Kim Jong-un, Sohn des langjährigen Alleinherrschers Kim Jong-il, zum neuen Machthaber aus. Seitdem verfolgt das abgeschottete Land eine Politik zwischen Entspannung und Säbelrasseln.

April 2012: Nach internationaler Kritik an einem gescheiterten Raketentest fühlt sich Nordkorea nicht mehr an ein Abkommen mit den USA gebunden, das unter anderem den Verzicht auf Atomversuche vorsah.

Dezember 2012: Trotz internationaler Warnungen befördert das Regime einen Satelliten ins All. Die USA und Südkorea befürchten, dass damit eine Interkontinentalrakete getestet werden sollte.

Jänner 2013: Kim Jong-un erklärt bessere Lebensbedingungen im Land zum obersten Ziel im neuen Jahr. Zudem ruft er zum Ende der Konfrontation mit Seoul auf.

Februar/März 2013: Allen Warnungen zum Trotz unternimmt Pjöngjang einen weiteren unterirdischen Atomversuch. Der UN-Sicherheitsrat antwortet mit Sanktionen.

April 2013: Pjöngjang droht den USA daraufhin mit einem Atomschlag und kappt den "Heißen Draht" nach Südkorea.

Juni 2013: Nordkorea stimmt einem innerkoreanischen Ministertreffen zu und stellt die Kommunikation an der Grenze wieder her.

Februar 2014: Zum ersten Mal seit drei Jahren können sich Verwandte aus beiden Teilstaaten wieder in Nordkorea treffen.

Oktober 2014: Zwischen Grenzposten beider Teilstaaten kommt es zum Schusswechsel. Nordkorea fühlte sich durch Flugblätter provoziert.

November/Dezember 2014: Bei einem Cyber-Angriff auf das Hollywood-Studio Sony Pictures stehlen Hacker vertrauliche Informationen. Nach Terror-Drohungen steht außerdem der Kinostart der Nordkorea-Satire "The Interview" zunächst infrage. Das FBI macht Pjöngjang verantwortlich, das den Vorwurf zurückweist. Die USA verhängen neue Sanktionen.

August 2015: Landminen an der innerkoreanischen Grenze verletzen zwei südkoreanische Soldaten. Seoul macht Pjöngjang verantwortlich und nimmt seine Propaganda-Durchsagen an der Grenze nach elf Jahren Unterbrechung wieder auf. Nach einem Schusswechsel an der Grenze versetzt Pjöngjang seine Grenztruppen in Gefechtsbereitschaft.

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