Nordkorea von

Botschaften im Visier

Sicherheit diplomatischer Vertretungen in Pjöngjang im Konfliktfall nicht garantiert

Kim Jong-un © Bild: APA/EPA/KCNA

Nordkorea hat die Botschaften in der Hauptstadt Pjöngjang nach britischen Angaben vor Auswirkungen auf ihre Sicherheit im Falle eines Konfliktes gewarnt. Pjöngjang habe erklärt, dass die Sicherheit der diplomatischen Vertretungen sowie von internationalen Organisationen ab dem 10. April nicht mehr garantiert werden könne, wenn es zu einem Konflikt komme, teilte das Außenministerium in London am Freitag mit. Zuvor hatten Russland, Bulgarien und Tschechien erklärt, dass Nordkorea ihre und die Botschaften weiterer Länder aufgefordert habe, Evakuierungspläne zu prüfen. Die österreichische Botschaft ist von der Warnung nicht betroffen. Sie hat ihren Sitz in Seoul und ist sowohl für Nord- als auch für Südkorea zuständig.

Die Botschaften der EU-Staaten in Nordkorea wollen möglichst einheitlich auf die von der Regierung nahegelegte Räumung der diplomatischen Vertretungen in Pjöngjang reagieren. "Die Botschaften an Ort und Stelle stehen in ständigem Kontakt, um die Lage einzuschätzen", sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel. Sie nahm nicht zu Medienberichten Stellung, wonach sich die Leiter der Botschaften in Pjöngjang an diesem Samstag treffen wollen.

Nordkorea gehört zu den wenigen Ländern, in denen die Europäische Union nicht mit einer eigenen diplomatischen Vertretung präsent ist. Auch von den 27 EU-Mitgliedern sind aktuell nur sieben in Pjöngjang mit Botschaftern vertreten. Österreich ist nicht darunter. Eine EU-Diplomatin sagte in Brüssel: "Wir stehen in engem Kontakt mit den Mitgliedsstaaten und diese haben engen Kontakt miteinander."

Sicherheit laufend überprüft

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin sagte über Deutschlands diplomatische Vertretung in Pjöngjang: "Die Sicherheit und Arbeitsmöglichkeiten unserer Botschaft werden laufend angesichts der weiteren Eskalation überprüft." Weitere Angaben wollte der Sprecher nicht machen.

Vonseiten Großbritanniens hieß es, man habe eine Mitteilung erhalten, in der stehe, dass Nordkorea "im Falle eines Konflikts nach dem 10. April" nicht in der Lage sei, Botschaften und internationale Organisationen zu schützen, sagte ein Sprecher des Foreign Office in London am Freitag. Eine Aufforderung zur Evakuierung der Vertretung habe es aber nicht gegeben. Es gebe auch keine Pläne, die Botschaft zu räumen, hieß es weiter. Vielmehr müsse Nordkorea mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten und sich verantwortungsvoll verhalten, sagte der Sprecher. Die Warnung bezeichnete er als "Teil der derzeitigen Rhetorik Nordkoreas".

Evakuierung in Betracht ziehen

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte laut russischen Nachrichtenagenturen, alle Botschaften in Pjöngjang seien aufgefordert worden, eine Evakuierungsaktion für die Beschäftigten ihrer Botschaften in Betracht zu ziehen. Auch Tschechien und Bulgarien bestätigten die Aufforderung. Die Botschafter der in Nordkorea vertretenen EU-Staaten würden sich nun am Samstag in Pjöngjang treffen, um über den Umgang mit der Situation zu beraten, teilte das bulgarische Außenministerium in Sofia mit.

Lawrow sagte den Agenturberichten zufolge, seine Regierung stehe "in engem Kontakt mit unseren chinesischen Partnern und auch mit den Amerikanern" sowie mit allen Parteien der Sechser-Gespräche über einen Friedensschluss auf der koreanischen Halbinsel. Nordkoreas fortgesetzte militärische Drohungen hatten zuletzt auch scharfe Kritik aus Moskau hervorgerufen.

Nordkorea, das wegen seines Atomwaffenprogramms international in der Kritik steht, reiht seit Wochen militärische Drohungen gegen Südkorea und die mit ihm verbündeten USA. Am gestrigen Donnerstag hatte der Generalstab der nordkoreanischen Volksarmee mitgeteilt, es sei nun offiziell Grünes Licht für einen Atomangriff auf die USA gegeben worden. Nach südkoreanischen Angaben wurden Mittelstreckenraketen an die Ostküste des Landes verlegt.

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