Nordische WM von

Kombinierer jagen Team-Medaille

ÖSV-Team rund um Oldie Mario Stecher traut sich auch die WM-Titelverteidigung zu

Mario Stecher, Nordische Kombination © Bild: Getty/Pallot

Auch am Tag danach ist - zumindest bis zur ersten Herren-Skisprung-Entscheidung am Abend - im Österreicher-Lager bei der Nordischen WM im Val di Fiemme noch viel über den famosen Schluss-Akkord von Mario Stecher gesprochen worden. Das perfekte Comeback des 35-jährigen Steirers nach seiner neunten Knie-Operation vor sechs Wochen brachte gleich im ersten Kombinationsbewerb Silber für Österreich, schon am Sonntag steht der Teambewerb an.

Stecher ist mittlerweile berühmt, und bei den Deutschen berüchtigt, für seine leidenschaftlichen Sprintqualitäten. Im direkten Duell mit den deutschen Kontrahenten steht es nun 3:0 für den Eisenerzer, denn bei der WM in Oslo hatte Stecher zweimal Tino Edelmann im Zehntelsekundenbereich als Schlussläufer WM-Gold weggeschnappt. Und schließlich war er auch bei den Olympischen Spielen in Turin und Vancouver jeweils als vierter Mann zu Gold gelaufen.

Als frischgebackener Vize-Weltmeistertitel kann Stecher freilich völlig unbelastet in die Mannschaftskonkurrenz gehen. "Ich habe schon davor nichts mehr zu verlieren gehabt. Ich möchte das genießen und mit der Mannschaft um die Medaillen mitkämpfen können."

Gold ist das Ziel

Und Stecher spricht da nicht unbedingt über Bronze, schließlich ist das ÖSV-Team zweifacher Titelverteidiger von Oslo. "Natürlich ist das Ziel eine Goldmedaille, da brauchen wir nicht diskutieren. Aber es sind fünf Mannschaften komplett gleich. Da kann jeder gewinnen, deshalb muss man einen optimalen Tag erwischen."

Deutschland, Frankreich, Norwegen, Japan und eben Österreich werden Gold, Silber und Bronze wohl untereinander ausmachen. ÖSV-Cheftrainer Christoph Eugen wollte bis zum letztmöglichen Zeitpunkt mit der Nennung seiner Mannschaft zuwarten, gerechnet wurde aber damit, dass neben Stecher, Bernhard Gruber, Christoph Bieler und Willi Denifl aufgeboten werden. Nur Letzterer schien sich da nicht so sicher zu sein, denn er hatte auch in Oslo an eine Nominierung geglaubt und war dann nicht eingesetzt worden.

"Nur nichts mit der Brechstange, locker hupfen"

Bernhard Gruber hat nach der für ihn persönlichen Enttäuschung schnell zum Optimismus zurück gefunden. "Mario erzeugt jetzt mit seiner Medaille einfach einen Sog, in dem wir hinten nachkommen und da pushen wir jetzt miteinander. Wir sind mannschaftlich sehr sprungstark. Nur nichts mit der Brechstange, locker hupfen, und auf der Loipe ist schon einiges möglich."

Das Team hatte sich offensichtlich und ehrlich über Stechers Erfolg gefreut und eigene Begehrlichkeiten hinten angestellt. So auch der gleichaltrige Christoph Bieler. "Ich freue mich von ganzem Herzen für meinen Zimmerkollegen. Der ist jetzt die ganze WM herrlich aufgelegt und wir haben Spaß im Zimmer", sagte Bieler, der eine Riesenerleichterung im neuen Trainerteam, ebenso wie bei den Serviceleuten ortete.

Der nächste (G)Oldie nach Gottwald

"Früher ist immer gesagt worden, (Felix) Gottwald hat es für uns leichter gemacht. Jetzt ist es der nächste Oldie und wenn man seine Vorgeschichte kennt, sieht man, was für ein Klassesportler er ist", zollte Bieler, der seit über zehn Jahren mit Stecher das Zimmer teilt, dem Kollegen Lob.

Auch Denifl freute sich über "die geniale Geschichte", die Stecher geschrieben hat. "Bernie (Gruber) und ich sind im Aufwärmeraum gehupft, wo die ganzen Deutschen waren.. die haben uns blöd angeschaut, aber so ist unsere Mannschaft und so ist auch der Mario", erzählte Denifl wie begeistert er nach dem Supersprung von Stecher gewesen ist.

Klapfer statt Bieler

Neo-Cheftrainer Christoph Eugen hat sich am Samstagnachmittag für einen neuen Mann im ÖSV-Aufgebot entschieden. Nicht Routinier Christoph Bieler, sondern der 27-jährige Steirer Lukas Klapfer ergänzt das Team im Mannschaftsbewerb im Val di Fiemme. Schlussläufer wird Stecher sein, ebenfalls im Quartett sind Bernhard Gruber und Willi Denifl.

"Wir haben so entschieden, weil es ein lauflastiger Bewerb ist und weil Bieler die Steigungen auf dieser Strecke nicht so liegen", begründete Eugen die Aufstellung. Mit Lukas Klapfer stelle man den aktuell stärkeren Läufer auf.

Aus internationaler Sicht will Jason Lamy Chappuis nach dem zweiten Einzel-WM-Gold endlich auch eine Team-Medaille. Nach zwei vierten Plätzen in Vancouver und Oslo und einem fünften Rang (Oslo) zählt der 26-jährige Olympiasieger das Tricolore-Quartett zum Kreis der Medaillenanwärter. "Es ist alles möglich. Wir waren beim Weltcup in Sotschi Zweite, wir können es schaffen."

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