Nordische WM von

"Ich habe noch Reserven"

Bernhard Gruber und Willi Denifl nehmen den Team-Sprint bei der WM in Angriff

Bernhard Gruber und Willi Denifl in der nordischen Kombination © Bild: Reuters/Sposito

Bernhard Gruber strahlte große Ruhe aus nach dem Gewinn der WM-Silbermedaille im Val di Fiemme. Die Nervosität, die ihn ansonsten oft befällt, hatte der Nordische Kombinierer diesmal auch vor dem Bewerb nicht aufkommen lassen. "Das war der Schlüssel zum Erfolg. Ich habe versucht, es wie ein Spiel anzugehen, denn man kann eine Medaille eh nicht erzwingen", erklärte der 30-Jährige.

Die Anspannung im Langlaufrennen versuchte er mit "Selbstgesprächen" zu unterdrücken, um mehr Harmonie in die Bewegung zu bringen. "Bleib cool" oder "einen langen Zug machen", waren die Schlagwörter auf dem Weg zur zweiten Einzelmedaille seiner Karriere nach Olympia-Bronze 2010.

Ausgereizt habe er sein Potenzial noch keineswegs, sagte der Gasteiner, der einer der ausgeglichensten Athleten im Kreis der Weltelite ist. "Ich möchte mir selbst beweisen, dass ich mich weiterentwickeln kann. Ich habe noch Reserven, muss nur die Nerven im Zaum halten", betonte Gruber. "Ich nähere mich dem, wo ich hin möchte."

Cheftrainer Christoph Eugen bezeichnete die Vorstellung Grubers als sensationell. "Er hat jetzt zwei Einzelmedaillen, das gelingt nicht vielen. Jetzt gehört er zu den Großen", sagte der Coach. Der zweifache Team-Weltmeister von Oslo habe die erstmalige Rolle des Mitfavoriten glänzend gemeistert.

Keine Zeit zum Feiern
Für lange Feiern blieb keine Zeit, denn schon am Samstag (10.00/15.00 Uhr) geht es bei der WM-Premiere des Team-Sprints erneut um Medaillen. Eugen nominierte den frisch gebackenen Vize-Weltmeister und Willi Denifl für den Abschlussbewerb mit je einem Sprung von der Großschanze und abwechselnd je dreimal 2,5-km-Langlauf.

Diesen Bewerb müsse man clever anlegen, sagte Gruber. "Ich hoffe, dass wir nach dem Springen schon relativ weit vorne liegen. Beim Laufen darf man vor der letzten Runde nicht zu viel investieren, da muss man sich Körner aufsparen", betonte er.

Denifl bekommt nach dem sechsten Platz im Einzel noch eine weitere Chance, so wie 2003 im Val di Fiemme (Team-Gold) neuerlich eine Medaille zu gewinnen. Der 32-jährige Stubaier schöpfte große Motivation aus seiner Langlauf-Darbietung im Einzel. "Da habe ich ein Hammerrennen abgeliefert."

Die größten Gegner
Für Coach Eugen gelten neben dem ÖSV-Duo vor allem Deutschland, Norwegen, Frankreich (Jason Lamy Chappuis will auch im vierten Bewerb eine Medaille), Japan und die USA als Medaillenwärter. "Es beginnt wieder bei Null. Es wird nicht einfach , das Laufen ist durch die wechselnde Belastung noch intensiver", betonte der Steirer.

Mario Stecher absolvierte am Donnerstag den letzten WM-Bewerb seiner Karriere. Er selbst hatte vorgeschlagen, Denifl statt ihm im Team-Sprint einzusetzen. Der WM-Abschied ist für den 35-Jährigen kein Grund zu Sentimentalität. "Mit dieser WM kann ich mir alle zehn Finger abschlecken. Ich freue mich auf weitere Aufgaben, und werde wahrscheinlich noch einmal mit neuem Material anfangen", erklärte Stecher.

Stecher beendet die Saison
Nach dem Hinauswurf durch seinen Ausrüster Fischer wegen Kritik muss er eine neue Skimarke suchen und wird daher in dieser Saison keinen Weltcupbewerb mehr bestreiten. Dadurch bleibt mehr Zeit zur Regeneration seines erst Anfang Jänner neuerlich operierten Knies.

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