Nordirland von

Wieder Krawalle

Sechste Nacht der Unruhen in Belfast - Flagge wird heute erstmals gehisst

Belfast. Militär, Polizei und Demonstranten. © Bild: Reuters/CMN/RC

Weiter kein Friede in Nordirland: Die durch einen Streit um die britische Fahne ausgelösten Krawalle im nordirischen Belfast sind in der sechsten Nacht in Folge weitergegangen. Pro-britische Demonstranten bewarfen die Polizei mit Flaschen, Steinen, Golfbällen, Brandbomben und Feuerwerkskörpern, wie die Polizei mitteilte. Am Mittwoch wehte die Fahne zum ersten Mal seit Einführung der neuen Regelung wieder über dem Rathaus, und zwar anlässlich des 31. Geburtstags der Herzogin von Cambridge, Prinz Williams Frau Kate.

Die Loyalisten wehren sich gegen die Entscheidung des Stadtrates, die britische Flagge nur noch an bestimmten Feiertagen im Jahr über dem Rathaus wehen zu lassen, und nicht mehr wie vorher täglich. Am Mittwochabend sollte die Fahne wieder heruntergenommen werden. Loyalisten kündigten an, ihre Proteste fortzusetzen. Seit dem Beschluss sind bei Auseinandersetzungen 66 Beamte verletzt und 104 Demonstranten festgenommen worden. Einem Bericht des Senders BBC zufolge haben die seit Wochen immer wieder aufflammenden Unruhen mehr als 7 Millionen Pfund (8,6 Millionen Euro) Polizeikosten verursacht.

Soziale Probleme als Hintergrund

Die Entscheidung für die neue Flaggen-Regelung war Anfang Dezember mit den Stimmen der pro-irischen Sinn-Fein-Partei sowie von Abgeordneten gemäßigter Parteien getroffen worden. Hardliner der Loyalisten wollen sie nicht mittragen. Im Nordirland-Konflikt stehen sich seit Jahrzehnten protestantische Loyalisten, die weiter zu Großbritannien gehören wollen, und Katholiken, die einen Anschluss der Region an die Republik Irland fordern, gegenüber.

Auch nach der Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens 1998, das den Konflikt zwischen katholischen und protestantischen Gruppen in Nordirland grundsätzlich beilegte, sind kleinere Vereinigungen gewalttätiger Extremisten im Untergrund weiter aktiv. Hintergrund sind seit Jahrzehnten ungelöste soziale Probleme.

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