Norden vor Abspaltung? Nach wenigen Tagen droht dem Kosovo-Staat die Teilung

KFOR-Truppen stecken nun in der Zwickmühle

Norden vor Abspaltung? Nach wenigen Tagen droht dem Kosovo-Staat die Teilung © Bild: Reuters

Der neue Kosovo-Staat wird schon wenige Tage nach der Ausrufung in seiner Existenz bedroht. "Das sind die ersten Schritte zu einer Teilung", erklärten westliche Diplomaten in Pristina hinter vorgehaltener Hand zu den gewalttätigen Aktionen der Serben im Norden. Ungeschminkter stellte sich der serbische Kosovo-Minister Slobodan Samardzic in Belgrad hinter die Zerstörung der beiden Grenzübergänge. Das sei "legitim", weil es eine Grenze zwischen der "Mutterrepublik" Serbien und dem Norden Kosovos nicht geben dürfe. "Das werden wir nicht erlauben", "überall müssen wir das im Voraus verhindern!", sagte das Regierungsmitglied.

Zuvor hatte Serbenführer Marko Jaksic seine Landsleute gewarnt, jeder Kontakt mit der UN-Kosovo-Verwaltung (UNMIK) und der neuen EU-Mission (EULEX) sei verboten: "Wer mit denen zusammenarbeitet, wird als Verräter betrachtet". "Das sind Okkupatoren, Eindringlinge und so sollten wir sie auch behandeln", rief er die Serben auf. Folgerichtig haben die 250 serbischen Polizisten im Norden den Kosovo-Behörden die Gefolgschaft aufgekündigt und sich dem Belgrader Innenministerium unterstellt. Die albanischen Polizisten mussten sich kleinlaut zurückziehen.

KFOR hält noch die Stellung
Das Kalkül sieht so aus: Im Norden wohnen auf 2400 Quadratkilometern, was 22 Prozent der gesamten Kosovo-Fläche entspricht, rund 50.000 Serben in kompakten Siedlungsgebieten. Diese Region soll an Serbien angeschlossen werden. Doch das soll nur der Anfang sein. Denn Serbien beanspruche nicht weniger als 58,79 Prozent des gesamten Kosovo-Territoriums, rechneten die Zeitungen in Belgrad vor. Noch hält die internationale KFOR-Schutztruppe die Stellung. Doch allen ist klar, dass auch die dort stationierten ausländischen Soldaten die Einheit des Kosovo auf Dauer nicht gegen die Serben durchsetzen können. Schon einmal hatte die KFOR vor dem geballten Ansturm von Zivilisten kapitulieren müssen. Im März 2004 hatte der albanische Mob Hunderte serbischer Häuser gebrandschatzt und historische Kirchen niedergebrannt. Die KFOR musste, auch wegen unzureichender Ausrüstung, hilflos zusehen, wie 19 Menschen ums Leben kamen.

Doch die serbischen Teilungspläne könnten sich auch in ihr Gegenteil verkehren. Die Ausschreitungen "haben noch einmal gezeigt, dass wir Experten in Disziplin sind und uns am besten selbst ins Knie schießen", kommentierte die Belgrader Zeitung "Blic" am Mittwoch. Denn jetzt könnte die KFOR veranlasst werden, wirklich mit massivem Militäreinsatz den Norden ruhig zu stellen. Vor allem sorgt sich das Blatt um die 50.000 restlichen Kosovo-Serben, die außerhalb des Nordens verstreut leben und die sich vor albanischer Revanche fürchten. Die Belgrader Zeitung "Danas" zitierte ein bekanntes Bonmot: "Unser Bumerang ist der allertollste, der fällt mehrmals auf uns zurück."

(apa/red)