Nord- und Südkorea von

Olympisches Tauwetter
Aber wie lange?

Nord- und Südkorea - Olympisches Tauwetter
Aber wie lange? © Bild: KCNA

Wie lange hält das politische Tauwetter zwischen Nord- und Südkorea an? Hat Kim Jong-un bald wieder eine Idee?

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Wenn man Kim Jong-un, den 34-jährigen Diktator Nordkoreas, und Donald Trump, den 71-jährigen, autoritären Präsidenten der USA, vergleicht, fällt vor allem auf: Der eine schießt Raketen ins All und hat immer wieder Ideen, mit denen er die Welt verblüfft. Der andere twittert unentwegt. Sonst hat er nichts, das ihn von einer Macho-Figur der Urzeit unterscheiden würde.

Trump hat zuletzt durch den Plan aufhorchen lassen, so wie die französischen und die russischen Präsidenten ihre Hauptstädte, auch Washington D.C. durch eine gigantische jährliche Militärparade zu prägen. Kim dagegen hat ganz im Gegensatz zu seiner gespielten, aber auch real erlebbaren Horror-Arroganz plötzlich die internationale Wetterlage verändert. Anlässlich der Olympischen Winterspiele in Südkorea hat er nicht nur seine Schwester dorthin geschickt, sondern auch noch den südkoreanischen Präsidenten nach Nordkorea eingeladen.

Noch nie waren Winterspiele auch eine weltpolitische Plattform, außer dass sie für ein Regime geworben haben wie Sotschi 2014 für Putin. Nordkoreanische Wintersportler nehmen sogar daran teil, so als gäbe es die Trennung der beiden Korea nicht. Und viele koreanische Familien, die in Nord und Süd Verwandte haben, hegen Hoffnungen.

Mit den Hoffnungen setzt Diktator Kim den Süden und dessen Bündnispartner, die USA, unter Druck.

Doch schon mehren sich nicht nur die Zweifel, in Seoul gibt es auch schon Demonstrationen gegen die Einladung des Präsidenten, der umgehend einen Besuch an Bedingungen knüpfen musste. Der schlaue Kim hat also erneut einen überraschenden Schachzug getätigt.
Trotzdem ist die Frage berechtigt, wie lange das politische Tauwetter dauern wird. Und man ist versucht, für eine möglichst schnelle Wiederholung von Olympischen Spielen zu plädieren. Das wird es freilich nicht geben, die übliche Wirklichkeit wird recht schnell wiederkehren.

Kim wird wieder einen „Raketentest“ inszenieren und Trump wird darauf einen Twittertext absetzen, in dem er mit der Auslöschung Nordkoreas droht. Dem Tauwetter folgt Eiszeit. Außer Kim hat wieder eine Idee. Hoffentlich keine böse.

Gerfried Sperl
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