"Noch" hat Sturm Vertrauen in Bundesliga, aber: Gang vor Gericht nicht ausgeschlossen

Diskussion über Ausweg aus der Fußball-Misere

Sturm-Graz-Präsident Hans Rinner hat nach den Turbulenzen der vergangenen Tage "noch" Vertrauen in die österreichische Fußball-Bundesliga, in der Premiere-Austria-Sendung "Talk und Tore" aber auch angekündigt: "Ich glaube an die Bundesliga und auch an den Rechtsstaat. Ich gehe davon aus, dass wir nach dem Gleichbehandlungsprinzip so wie unser Stadtrivale GAK behandelt werden. Wenn nicht, werden wir uns aber auch etwas einfallen lassen."

Rinner spielte damit auf die Möglichkeit eines Ganges vor ein ordentliches Gericht an, wie ihn GAK-Masseverwalter Norbert Scherbaum eingeschlagen hatte, um die abgezogenen Punkte per Einstweiliger Verfügung zurückzuerhalten. Vorläufig versicherte der Sturm-Präsident aber: "Wir werden uns an die Bundesliga-Satzungen und damit an das Protestkomitee halten. Derzeit fühle ich mich noch nicht benachteiligt."

Der Sturm-Boss gestand auch Fehler ein, die nach dem erfolgten Zwangsausgleich zum Abzug von zehn Punkten geführt hatten. "Da haben Prüfer bei der Fortbestandsprognose Fehler gemacht. Auch hier hat die Bundesliga meiner Meinung nach richtig gehandelt." Rinner wies Aussagen von Pasching-Präsident Franz Grad, wonach die Grazer Vereine Konkurse feiern würden, "als ob sie bei den Olympischen Spielen Gold gewonnen hätten", entschieden zurück.

"Wir feiern überhaupt nichts. Wir haben knallhart und professionell an einem Zwangsausgleich gearbeitet. In Österreich wird leider alles vermischt", betonte Rinner, der dem Vorschlag von Ried-Ehrenpräsident und -Rechtsanwalt Peter Vogl, Schadenersatzforderungen im Konkursverfahren gegen den GAK geltend zu machen, ablehnend gegenübersteht: "Wir können uns jetzt nicht alle auf den GAK draufhauen."

Der Grazer Sportrechtsanwalt Christian Flick machte in der TV-Diskussion den Vorschlag, inhaltliche Entscheidungsprozesse wie etwa die Lizenzvergabe aus der Bundesliga auszulagern. Damit würde sich die Liga laut Flick weniger angreifbar machen. Flick stellte weiters fest: "Solange sich alle Vereine einig sind, funktioniert das System. Aber die aktuellen Lizenzbestimmungen halten keiner gerichtlichen Überprüfung stand."

Bundesliga-Vorstand Georg Pangl appellierte einmal mehr an die Eigenverantwortung der Bundesliga-Klubs: "Man kann jedes System hintergehen. Eine saubere Liga muss unser Ziel sein, aber dazu muss man sich an die von allen beschlossenen Bestimmungen halten."

Ein berechtigter Wunsch, an dessen Umsetzung der Fußball-Gewerkschafts-Vorsitzende Oliver Prudlo nicht so recht glauben mag: "Wir bekämpfen immer nur die Symptome, nie die Ursachen oder die Krankheit." Prudlo prangerte unter anderem an: "Die Vereine selbst haben beschlossen, dass Details aus dem Lizenzierungsverfahren nicht veröffentlicht werden. Das halte ich für sehr schädlich. Es muss jetzt etwas geändert werden, sonst geht alles den Bach runter."

In diesem Zusammenhang wiesen Pangl und Rinner auf einige bereits nach dem Sturm-Konkurs und vor der GAK-Pleite von der Liga beschlossene Lizenz-Maßnahmen hin. So müssten die Klubs in Zukunft ihre Bilanzen veröffentlichen und die Spieler die angegebenen Gehälter unterschreiben.

(apa/red)