Noch immer Rätselraten nach Tierseuche in England: "Sabotage" nicht ausgeschlossen

Farmer planen nun Klagen gegen Laborbetreiber EU hält an Exportverbot für britisches Fleisch fest

Britische Farmer stellen sich angesichts von Schäden durch die Maul- und Klauenseuche auf mögliche Klagen in Millionenhöhe gegen Labor-Betreiber ein. Der Nationale Farmerverband (NFU) spreche darüber bereits mit Anwälten, sagte NFU-Präsident Peter Kendall dem Sender BBC. Unabhängige Ermittler hatten zuvor erklärt, der Erreger sei mit "großer Wahrscheinlichkeit" aus einem der beiden Labore in der rund 60 Kilometer von London entfernten Ortschaft Pirbright entwichen.

Nach Angaben der "Times" schließen Inspekteure einen "Sabotageakt" nicht aus. Eine Bestätigung für eine zielgerichtete böswillige Verbreitung des Virus gab es jedoch zunächst nicht. Premierminister Gordon Brown rief die Epidemie-Experten auf, nach ihrem ersten Zwischenbericht so schnell wie möglich konkretere Erkenntnisse zu dem Virusherd vorzulegen.

Laut BBC konzentrieren sich die Ermittlungen inzwischen auf die Laboreinrichtungen der US-Firma Merial Animal Health. Unter anderem prüften die Ermittler, ob möglicherweise MKS-Viren in die Abwässeranlage des Merial-Labors gelangt seien und dann von Mitarbeitern versehentlich oder gar wissentlich auf die Farmen übertragen wurden.

Das Unternehmen erklärte unterdessen erneut, es gebe keinerlei Beweise dafür, dass das MKS-Virus aus seinen Einrichtungen auf umliegende Farmen verbreitet wurde. Die Firma kooperiere weiterhin mit den Inspekteuren, die von der Regierung mit der Ursachenforschung beauftragt wurden.

Die Inspekteure haben bislang auch nicht ausgeschlossen, dass das Virus auch aus dem staatlichen Institut für Tiergesundheit (IAH) in Pirbright stammen könnte. Allerdings durfte das Institut seine Arbeit inzwischen wieder aufnehmen, während bei der Firma Merial die Herstellung von MKS-Impfstoffen weiterhin ruht.

Vorher waren dort nach Erkenntnissen der Inspekteure rund 10.000 Liter eines MKS-Impfstoffes hergestellt worden. Im IAH seien hingegen MKS-Viren "nur in geringem Umfang" für Forschungszwecke verwendet worden. In beiden Fällen handelte es sich um einen bereits 1967 isolierten MKS-Virenstamm, der in der Natur nicht mehr vorgekommen, nun aber auf den bislang zwei befallenen Farmen entdeckt worden war. Alle rund 220 Tiere der beiden Farmen in der Nachbarschaft der Labore wurden inzwischen getötet.

EU hält Exportverbot aufrecht
Die Europäische Union hält vorerst an dem Exportverbot für britisches Fleisch und Tierprodukte wie Milch fest. Eine Überprüfung der Maßnahme werde in zwei Wochen vorgenommen, teilte die EU mit.

Nach dem Ausbruch der hochansteckenden Tierseuche hatte die britische Regierung bereits ein Exportverbot für lebende Tiere, Fleisch sowie Tierprodukte wie Milch verhängt und landesweit den Transport von Paarhufern wie Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen. untersagt.

Das landesweite Transportverbot wurde von den britische Behörden gelockert. Landwirte außerhalb der direkt betroffenen Zone in Südengland könnten wieder Tiere in Schlachthöfe transportieren, teilte Chefveterinärin Debby Reynolds mit. Zugleich ordneten die Behörden aber wegen des Verdachts auf MKS die Tötung von Vieh auf einem dritten Bauernhof an.

(apa/red)