Noch Hoffnung auf Platz in Formel 1: Klien will 2007 nicht in Champ-Car-Serie fahren

Entscheidung Red-Bull-Chef Mateschitz mitgeteilt Enttäuschung über Ausbootung weiterhin deutlich

Christian Klien hat in Monza gegenüber dem ORF Sport bekannt gegeben, dass er nicht in die Champ-Car-Serie wechseln wird. Der Formel-1-Pilot, immer noch enttäuscht über die Ausbootung bei Red Bull, hätte bis Samstag den Vertrag für die nordamerikanische Motorsport-Serie unterzeichnen müssen, er wird dies nicht tun: "Das kann ich nicht, ich habe noch andere Optionen offen. Andere Teams in der Formel 1 sind noch interessiert, ich brauche noch Zeit, um weitere Gespräche zu haben", sagte der Vorarlberger.

Er sei sich des Risikos, das Red-Bull-Angebot für die Champ-Car-Serie 2007 auszuschlagen, bewusst: "Im Motorsport musst du immer ein bisschen pokern, aber ich sehe noch Möglichkeiten, in der Formel 1 weiterzufahren." Er habe mit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz telefoniert und ihm seine Entscheidung mitgeteilt, am Sonntag soll es noch ein Gespräch geben.

Klien noch immer schwer enttäuscht
Die Enttäuschung über die Ausbootung bei Red Bull ist Christian Klien nach wie vor deutlich anzusehen, zudem nerven den Österreicher am Beginn des Monza-Wochenendes die zahllosen Fragen zu seinen Zukunftsplänen. "Ich bin froh, wenn ich ins Cockpit klettern und das Helmvisier runterklappen kann. Und maximal noch mit meinem Ingenieur rede", meinte Klien, der dies in den ersten Freien Trainings auf dem Hochgeschwindigkeitskurs in Monza (Topspeed zirka 340 km/h) machen durfte.

Die Entscheidung von Red Bull für das Fahrerduo David Coulthard/Mark Webber in der kommenden Saison und gegen seine Person liegt dem Vorarlberger auch einen Monat danach noch schwer im Magen. "Man muss das von zwei Seiten sehen. Wenn man sich nur die Punkte anschaut, dann ist die Entscheidung klar. Wenn man sich aber die technischen Defekte und die dabei möglichen Punkte anschaut, dann sieht es ganz anders aus. Schade, dass nur die eine Seite betrachtet wurde", so Klien enttäuscht.

Das eklatanteste Beispiel in diesem Zusammenhang war wohl der Klassiker in Monaco, bei dem Klien auf Stockerlkurs liegend mit einem technischen Defekt ausfiel. Platz drei "erbte" sein Stallkollege Coulthard.

Klien hatte sich nach einem Gespräch mit Mateschitz in Hockenheim noch "sehr zuversichtlich" gefühlt, das sah nur wenige Tage später dann jedoch zum Leidwesen des 23-Jährigen ganz anders aus. Klien habe zwischen diesem Gespräch und der Entscheidung nichts mehr von den Red-Bull-Obrigkeiten gehört - eine weitere Enttäuschung.

Verbleib in Königsklasse noch nicht ganz abgehakt
Die zahlreichen Einträge im Gästebuch seiner Website - die Fans wollen ihren Liebling natürlich weiter in der Formel 1 sehen - geben Klien Auftrieb. Auch er selbst hat einen Verbleib in der Königsklasse (z.B. Super Aguri oder Midland) noch nicht ganz abgehakt. "Wer einmal in der Formel 1 ist, will auch in der Formel 1 bleiben. Ich habe noch vier Rennen vor mir, es ist nie zu spät."

Dass inzwischen auch Gerüchte aufgetaucht sind, dass Klien seinen Platz noch vor Saisonende an Testpilot Robert Doornbos abgeben müsse, lässt ihn kalt. "Was ich davon halte? Gar nichts. Teamintern ist das kein Thema." Stattdessen konzentriert sich Klien auf Monza und die drei weiteren Rennen: "Punkte wären sensationell. Wir wollen im Saisonfinish in der Konstrukteurswertung vor Williams bleiben, das ist unser Ziel."

An den Spekulationen rund um Schumacher beteiligt sich Klien ebenfalls nicht. "Schwierig zu sagen, ich hab absolut kein Gefühl. Er weiß genau, was er will, man kann nur auf Sonntag warten." Dass der Formel 1 ohne Schumi etwas fehlen wird, steht auch für den Vorarlberger fest. "Die Formel 1 würde einen ganz speziellen Fahrer verlieren. Er ist so lange dabei, hat unglaubliche sieben WM-Titel gewonnen und ist für viele junge Piloten ein Vorbild."

(apa/red)