Noch heuer neue Anklage im Fall BAWAG:
Suche nach den verschwundenen Milliarden

Weitere Anklage zum Bawag-Refco-Skandal geplant Flöttl/Weninger/Elsner/Zwettler im Visier der Fahnder

Noch heuer neue Anklage im Fall BAWAG:
Suche nach den verschwundenen Milliarden © Bild: APA/Fohringer

Wolfgang Flöttl ist ein viel beschäftigter Mann. Laut Auskunft seiner Haushälterin verbringt er die Tage bis spät in die Nacht hinein in seinem New Yorker Büro. Klar: Der Milliarden-(Ver-)Zocker der Bawag mischt immer noch am Finanzparkett mit und leidet wie seine US-Banker-Kollegen unter der aktuellen Börsenkrise.

Wolfgang Flöttl, zu nicht rechtskräftigen 2,5 Jahren (davon 20 Monate bedingt) verurteilt, weilt seit der Urteilsverkündung Anfang Juli wieder in den USA. Und pflegt dort, seiner angeblichen Mittellosigkeit zum Trotz, ein angenehmes Leben an der Seite seiner Frau Anne Eisenhower. Die Familienwohnsitze können sich sehen lassen: ein Nobelapartment an der Park Avenue und ein Landhaus im Luxus-Vorortegürtel Hamptons.

Mit dem beschaulichen Luxus könnte es jedoch bald vorbei sein. Denn in Wien forscht die Staatsanwaltschaft nach den verschwundenen Bawag-Geldern. Und in diesem Zusammenhang soll schon bald eine Bombe platzen. NEWS vorliegenden Informationen zufolge könnte noch heuer eine Anklage in der Sache Bawag/Refco fertig werden. Der brillante Bawag-Ankläger Georg Krakow, mittlerweile in die Oberstaatsanwaltschaft aufgestiegen, konzentriert sich voll auf die verlustreichen Deals der Ex-Gewerkschaftsbank mit dem New Yorker Investmenthaus.

Neben dem unmittelbaren Auslöser der Bawag-Krise durch einen 350-Millionen-Dollar-Kredit an die pleitegegangene Refco stehen auch die früheren Geschäfte des Dreiecks Flöttl/Refco/Bawag im Visier der Justiz.

Bereits in den Neunzigerjahren handelte Wolfgang Flöttls Firma Ross Capital Devisen, Futures und Anleihen über Refco. Und er band seinen Vater Walter Flöttl, damals Bawag-Generaldirektor, in die Geschäfte ein. Von 2000 bis 2004 war die Bawag dann sogar mit zehn Prozent an Refco beteiligt. Refco-Mitarbeiter hatten sogar in der Bawag Arbeitsplätze belegt.

Heißer Prüfbericht. Bei der Vorbereitung der Bawag-Refco-Anklage stützt sich die Justiz vorrangig auf den Prüfbericht der Nationalbank aus dem Jahr 2006. Darin werden die hochkomplizierten Zahlungsströme zwischen der Bawag, der ÖGB-Stiftung Desana in Liechtenstein und Refco analysiert.

Verdacht auf Untreue
Nach Informationen aus Justizkreisen könnten vor allem Wolfgang Flöttl, Ex-Bawag-Aufsichtsratschef und ÖGB-Finanzreferent Günter Weninger, die Ex-Bawag-Generaldirektoren Helmut Elsner und Johann Zwettler sowie Wirtschaftsprüfer angeklagt werden - wegen Verstößen gegen das Aktiengesetz, aber auch wegen Untreue. Für alle gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Im Zuge der Refco-Bawag-Anklage wird die Justiz auch einen weiteren Anlauf unternehmen, dem Weg des verlorenen Bawag-Vermögens nachzugehen. Spekulationen, dass doch nicht alle Millionen verzockt wurden, halten sich hartnäckig.

Inzwischen hat der ehemalige Refco-Boss Phillip Bennett eine 16-jährige Haftstrafe wegen Betrugs in den USA angetreten - Schadenssumme: 2,4 Milliarden Dollar. So hoch könnten etwaige Haftstrafen in Österreich nicht ausfallen, hier liegt die Obergrenze bei zehn Jahren.

Die Geschichte finden Sie im NEWS Nr. 43/08!