Nobelpreisträger Milton Friedman (94) tot:
Ein Vordenker liberaler Wirtschaftspolitik

Seine Theorien beeinflussten Reagan und Thatcher

Der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman ist tot. Friedman starb im Alter von 94 Jahren an Herzversagen in San Francisco. Friedman gehörte als führender Vertreter des Monetarismus und als Verfechter einer freien Marktwirtschaft zu den einflussreichsten Ökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Der Wirtschaftsprofessor beriet mehrere US-Präsidenten von Richard Nixon bis Ronald Reagan. Friedman erhielt für sein Werk 1976 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

Der am 31. Juli 1912 in New York geborene Friedman lehrte von 1946 bis 1976 an der Universität von Chicago. Seine Eltern waren aus Bessarabien, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte, in die USA eingewandert. Als der Vater starb, musste der hoch begabte Schüler im Alter von 15 Jahren arbeiten, um die Familie über Wasser zu halten. Mit einem Stipendium studierte er später Wirtschaftswissenschaften.

Seine radikalen Positionen machten Friedman weltweit bekannt. So trat er auch für die Liberalisierung des Drogenkonsums ein. Die Schaffung der Europäischen Einheitswährung, des Euro, betrachtete er als einen Fehler. Friedman hinterlässt eine Ehefrau und zwei Kinder.

Friedmans Denken beeinflusste in den 1980er Jahren maßgeblich die Wirtschaftspolitik des damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan sowie der britischen Premierministerin Margaret Thatcher. Sein Hauptwerk "Kapitalismus und Freiheit" erschien erstmals 1962.

In Dutzenden Büchern, zahllosen wissenschaftlichen Aufsätzen und Zeitschriftenartikeln plädierte Friedman für eine möglichst freie Marktwirtschaft und ein mäßiges und stetiges Geldmengenwachstum, um die meisten Wirtschaftsprobleme zu lösen und ein dauerhaftes, inflationsarmes Wirtschaftswachstum zu erreichen.

Friedman wetterte gegen staatliche Geldverschwendung und setzte auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Kritiker hielten dem Professor vor, sein Laissez-faire-Liberalismus diene nur der Eigensucht der Unternehmer und lasse die Armen verhungern.

Er war die treibende Kraft der so genannten Chicagoer Schule, die den Monetarismus begründete. Danach sollte die Geldpolitik nicht über den Zinssatz, sondern die Geldmenge gesteuert werden. Der Zusammenhang zwischen Geldmengenwachstum und Inflation hat - im Gegensatz zur US-Notenbank - vor allem für die Geldpolitik der Deutschen Bundesbank eine wichtige Rolle gespielt. Auch für Europäische Zentralbank (EZB) ist die Geldmenge in dieser Tradition zumindest noch eine wichtige Messgröße.

Vor wenigen Monaten erst hatte Friedman den wachsenden Einfluss des Staates in Westeuropa kritisiert. "Man greift hier ein bisschen ein, packt da etwas an und macht dort etwas. Damit wächst der Staat nach und nach", sagte Friedman im April dem "Handelsblatt".

(apa/red)