Nix fix im Kärntner Landtagswahl-Rennen:
Duell Dörfler-Rohr verspricht Hochspannung

Kleinere Parteien müssen mit Wahlschlappen rechnen Umfragen sorgen im Vorfeld für große Verwirrung

Nix fix im Kärntner Landtagswahl-Rennen:
Duell Dörfler-Rohr verspricht Hochspannung © Bild: APA/Eggenberger

Noch selten war der Ausgang einer Landtagswahl so schwer vorhersehbar wie beim Urnengang am 1. März in Kärnten. Noch im vergangenen Spätherbst rechnete man mit einem doch deutlichen Sieg des BZÖ, auch ohne seinen Gründer Jörg Haider. Inzwischen scheint der Ausgang völlig offen. Während Landeshauptmann Gerhard Dörfler zuletzt mit einigen verunglückten Witzchen für Schlagzeilen sorgte, läuft sich sein roter Herausforderer Reinhart Rohr die Absätze schief, um den Rückstand aufzuholen.

Bei dem Duell um Platz eins drohen die kleineren Parteien durch den Rost zu fallen. ÖVP und FPÖ plakatieren zwar, was die Kriegskasse hergibt, thematisch kommen sie jedoch nur schwer durch. Die Grünen, deren Wahlkampagne deutlich sparsamer ausgelegt ist, kennen diese Schwierigkeiten schon, sie setzen auf ihre Kernthemen und -wähler. Wenig hilfreich sind auch die Umfragen der Meinungsforscher, zu divergierend sind die Resultate, um einen einheitlichen Trend herauslesen zu können.

BZÖ bei 42 Prozent
Da gibt es Umfragen, nach denen das BZÖ bei 42 Prozent und darüber liegt und die SPÖ um sechs bis acht Prozentpunkte abgehängt haben soll, andere wieder sehen Orange und Rot bei 37 bzw. 36 Prozent. Es kommt offenbar ganz darauf an, wie man die Unentschlossenen aufteilt, und da gibt es - für Demoskopen wie politische Beobachter - ein grundsätzliches Problem: Mangels Vergleichsmöglichkeiten kann niemand seriös sagen, wie viele Wähler, die das letzte Mal die Person Jörg Haider gewählt haben, diesmal auch ohne ihn bei den Orangen ihr Kreuzerl machen.

Dörfler kämpft um politisches Überleben
Für Dörfler geht es mittlerweile um sein politisches Überleben. Er hat sich die Latte mit 40 Prozent als Wahlziel (2004 erreichte Haider mit der FPÖ 42,4 Prozent) und 37 als persönliche Schmerzgrenze sehr hoch gelegt. Reißt er sie, bedeutet das wohl das Ende seiner Politkarriere. Zudem hat sich Dörfler festgelegt, dass unabhängig vom erzielten Stimmenanteil jedenfalls die stärkste Partei den Landeshauptmann stellen sollte. Gelingt dies der SPÖ, ist Dörfler aber ohnehin aus dem Spiel, und von Uwe Scheuch hat man eine derartige Festlegung bis dato nicht gehört. Dann würden die Karten neu gemischt.

Rohr unter Druck
Rohr ist zwar ebenfalls stark unter Druck, immerhin soll er nach 20 Jahren den Landeshauptmannsessel für die Roten zurückerobern. Für ihn würde Platz zwei aber noch nicht zwingend bedeuten, dass er zurücktreten muss. Gelingt es ihm, das Wahlresultat von 2004 (38,4 Prozent) halbwegs zu halten, dürfte die Obmanndiskussion bei den Roten ausbleiben. Immerhin ist Rohr noch nicht einmal ein Jahr im Amt, zudem übernahm er die Partei nach dem Blitz-Abgang von Gaby Schaunig mit horriblen Umfragewerten.

Die Außenseiter
Die ÖVP kommt weiterhin nicht recht vom Fleck und bleibt nahe an ihrem desaströsen Ergebnis von vor fünf Jahren (11,6 Prozent) kleben. Zwölf, maximal 13 Prozent, geben ihr die Demoskopen, und wenn sie Recht behalten, könnte das für Parteichef Josef Martinz zu wenig sein. Er müsste schon deutlich zulegen, so in Richtung 15 Prozent, um eine Obmanndebatte abzuwenden.

Die Grünen dürften relativ sicher wieder in den Landtag einziehen, die Fünf-Prozent-Hürde sollte kein Problem darstellen, vor fünf Jahren erreichten sie 6,7 Prozent. Ob sie das angestrebte dritte Mandat erreichen können, ist allerdings zweifelhaft. Beim Team rund um Landessprecher Rolf Holub hat man vor allem Angst, dass zu viele Sympathisanten diesmal ihre Stimme aus taktischen Gründen der SPÖ geben, um einen BZÖ-Regierungschef zu verhindern.

Die FPÖ mit ihrem Spitzenkandidaten Mario Canori ist die große Unbekannte bei den Spekulationen um den Wahlausgang. Die Blauen reden von einem zweistelligen Ergebnis, die Meinungsforscher geben ihnen zwischen zwei und acht Prozent. Hier scheint die selbe Problematik durchzuschlagen wie bei den Orangen. Keiner weiß, wen die Haider-Wähler wirklich wählen werden. Gehen die früheren FPÖler wieder "heim zur Partei" oder bleiben sie der "Liste Jörg Haider" - auf den Zusatz beim Parteinamen wollte Orange nicht verzichten - treu.

(apa/red)