Erklärungsversuch von

Was stört uns am Nikolo im Herbst?

Warum regt es uns so auf, wenn es im Oktober Weihnachtsgebäck im Supermarkt gibt?

Erklärungsversuch - Was stört uns am Nikolo im Herbst? © Bild: NEWS

Es weihnachtet bald wieder sehr. Das ist eigentlich eine gute Nachricht, zumindest für Kinder – und solange es nicht um den Supermarkt geht. Längst gehört es zu den Standards der modernen Kulturkritik, das frühzeitige Feilbieten von Lebkuchen, Weihnachtsgebäck und Schokoladenikoläusen zu beklagen. Glaubt man den Kritikern, liegt das Adventsortiment Jahr für Jahr noch früher in den Regalen. Gesicherte Daten dazu liegen leider nicht vor, aber sollte es tatsächlich so sein, dann sehr wahrscheinlich deshalb, weil die Kundschaft es so will. Die Supermärkte sind ja nicht blöd: Wenn Ende Oktober keiner einen Nikolaus kauft, wird er auch nicht angeboten.

Und was ist eigentlich so schlimm daran? Es wird ja niemand gezwungen, das Zeug jetzt schon zu kaufen. Vielleicht ist der verfrühte Schokonikolaus nur eine Symbolfigur, die für die grassierende Kommerzialisierung unseres Lebens steht – wobei die Vorstellung einer irgendwie „echten“ Weihnachtszeit selbst schon wieder so kitschig ist, dass das eigentlich nicht wahr sein kann. Wahrscheinlich ist es ganz einfach: Die Kekse im Supermarkt erinnern uns – viel früher, als uns lieb ist – daran, dass jetzt bald wieder der ganze Adventzirkus losgeht. Merke: Wenn der Nikolo im Regal steht, ist die Punschhütte nicht mehr weit.

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