"Niessl hat ein paar persönliche Probleme":
ÖVP-Landesvize Franz Steindl im Interview

Über Widersacher, Maria Fekter und prominente Fans "Wenn die SPÖ-Absolute fällt, dann ist alles möglich"

"Niessl hat ein paar persönliche Probleme":
ÖVP-Landesvize Franz Steindl im Interview © Bild: APA

Die leidige Causa um ein Asylzentrum in Eberau sorgt bei Franz Steindl noch immer für Nachwehen. Auf seine Parteikollegin Innenministerin Maria Fekter ist der Chef der ÖVP Burgenland nach wie vor nicht sonderlich gut zu sprechen: "Diese 'Drüberfahr-Taktik' ist man normalerweise nur von der SPÖ gewohnt", meckert der ehemalige Purbacher Bürgermeister

Für den im Dezember 2000 angetretenen Landeshauptmannstellvertreter hat die Wahl am kommenden Sonntag beinahe schicksalsträchtigen Charakter. Eine zweite Niederlage gegen seinen Widersacher Hans Niessl kann sich der schwarze Spitzenmann im Burgenland wahrscheinlich nicht mehr erlauben. Daher wird er auch nicht müde, die "abgehobene Machtpolitik der SPÖ" anzuprangern und den roten Landesvater bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu pieksen.

Während dem Telefonat mit Steindl bricht die Verbindung gezählte sieben Mal zusammen. Selbst in solchen Augenblicken vergisst er nicht auf einen Seitenhieb: "Niessl brüstet sich immer mit dem flächendeckendem Mobilfunkempfang im Burgenland. Jetzt sehen wir, dass es doch viele weiße Flecken gibt." Später im Interview stellt der Landesvize fest, dass sein Regierungspartner Niessl "ein paar persönliche Probleme" habe.

Kirmit statt Serafin
Auf prominente Unterstützer wie Harald Serafin oder Didi Kühbauer muss Steindl im Gegensatz zu seinem roten Gegenpart jedoch verzichten. Dem "Promi-Faktor" im Wahlkampf misst er aber ohnehin keine wirkliche Bedeutung bei: "Serafin ist ja nicht einmal wahlberechtigt." Dafür ist er stolz auf seinen "Freundeskreis" im Internet, dem sich auch zahlreiche SPÖ-Sympathisanten angeschlossen haben sollen. Sogar ein Grüner findet sich auf der Liste: Kirmit, der Frosch aus der Muppet-Show, unterstützt Steindl - man hätte es fast geahnt -, "weil er für Frösche ist."

"Alles ist möglich"
Für den Wahlsonntag setzt er sich keine konkreten Ziele. Zumindest verrät er sie nicht: "Jedes Mandat mehr würde mich freuen." Bei der letzten Landtagswahl im Burgenland erhielt die ÖVP 36,4 Prozent der Stimmen und 13 von 36 Mandaten. Wahrscheinlich ist, dass SPÖ und ÖVP auch nach dem 30. Mai in der Landesregierung sitzen werden - trotz aller Querelen und dank des Proporzsystems. "Persönliche Befindlichkeiten gilt es zurückzustecken", lautet Steindls Mantra im Umgang mit Niessl als auch mit Fekter, die ihm mit ihrem Eberau-Plan einen denkbar schlechten Wahlkampfeinstieg beschert hat. Den Landeshauptmannsessel hat man im Lager der Schwarzen aber noch nicht abgeschrieben: "Wenn es keine absolute Mehrheit für eine Partei gibt, dann ist alles möglich." Sogar ein Pakt mit den Freiheitlichen.

(jt)