Niemetz von

Der Hype um die Schwedenbombe

40.000 Fans hat das Traditions-Produkt inzwischen auf Facebook - doch hilft das?

Niemetz - Der Hype um die Schwedenbombe © Bild: APA/Gindl

Wenn man aktuellen Medienberichten glauben will, muss ganz Wien der Schwedenbombe verfallen sein: Egal welches Medium man konsumiert, alles spricht von den Schwedenbomben. Doch die Realität ist eine andere, denn die Firma Niemetz steckt seit langem in Schwierigkeiten, darüber können auch die aktuellen Solidaridätsbekundungen nicht hinwegtäuschen. Den Anschluss an die moderne Süßwarenproduktion hat man schon länger verloren.

40.000 Fans sind ein starkes Signal dafür, dass die Schwedenbombe vermisst würde. Unzählige Kommentare werden dort täglich gepostet und am 15. Februar soll sogar ein Flashmob veranstaltet werden, um den Niemetz-Shop leerzukaufen. So viele Bestellungen hatte Niemetz schon lange nicht mehr, doch die Realität ist eine andere: Allein im letzten Jahr ging der Absatz der Schaumbomben laut "Presse" um sagenhafte 23 Prozent zurück. Nur die wenigsten der nun wegen Niemetz besorgten Konsumenten dürften also in den letzten Jahren besonders oft zu Niemetz-Produkten gegriffen haben.

Auch leidet der Konzern darunter, im Gegensatz zu vielen Konkurrenten nur sehr wenige Produkte im Angebot und sehr eingeschränkt neue Märkte erschlossen zu haben. Man denke nur daran, wie gut es "Heindl" in den letzten Jahren gelang Touristen in den Fußgängerzonen anzusprechen, "zotter" den Fairtrade-Markt zu erschließen oder Manner im Export große Erfolge zu feiern.

Wenige Produkte und wenig Innovation

Niemetz setzt hingegen vor allem auf die Schwedenbomben, die im Markt für "Schokoladen-Schaumküsse" in Österreich fast eine Monopolstellung haben. Allerdings brach der Markt in diesem Segment 2011 in Österreich laut "Presse" um 8,6 Prozent und 2012 abermals ein. Dieser Abwärtstrend ist nun wohl fürs Erste gebremst. Aber langfristig geht die Entwicklung hin zu weniger kalorienreichen und gesünderen Süßwaren. Im stark boomenden Markt dieser Lifestyle-Produkte hat Niemetz jedoch nichts im Angebot. Die drei Produkte "Swedy", "Manja" und die "Schwedenbombe" sind allesamt dem klassischen Süßwarenmarkt zuzurechnen.

Wie rasch der aktuelle Hype jedoch abklingen kann, zeigt exemplarisch der Fall des "Paiper-Eis". Rund um das Erscheinen des "Wickie, Slime und Paiper"-Buchs gab es einen großen Hype um das Produkt. Eskimo nahm es wieder ins Sortiment auf und erzielte große Erfolge. Bald war der Hype jedoch abgeklungen und kein Hahn krähte mehr nach dem "Paiper-Eis". Wie schon in der Vergangenheit musste es erneut aus dem Sortiment genommen werden.

Viele Konkurrenten wären interessiert

Denn öfter als nicht hat es gute Gründe, warum Konsumartikel nicht mehr nachgefragt werden. Es gibt schlicht keinen oder einen kleineren Markt dafür. Soweit ist es mit Niemetz nun nicht. Die Quasi-Monopolstellung im Bereich "Schokolade-Schaumküsse", die starke Marke und die Möglichkeiten im Export locken viele Konkurrenten.

Laut "Standard" sollen unter anderem "Heindl", "Kastner", der Schaumrollenproduzent "Karl Gsuchlbauer" und "Manner" interessiert sein. Laut dem Gläubigerschützer Gerhard Weinhofer wird ein Partner auch dringend benötigt, da das Unternehmen zu lange zu wenig getan hat. Die Vernachlässigung des Marketings und der Maschinenerneuerung sind Hauptprobleme.

Mangelhaftes Management?

Auch berichtete der "Standard" mit Verweis auf einen Firmeninsider, dass mehrere hunderttausend Euro pro Jahr von den Eigentümern aus dem Unternehmen entnommen wurden. Möglicherweise um ein privates Tierhilfsprojekt, einen Gnadenhof für Pferde, zu finanzieren. 2010, aus diesem Jahr stammt der letzte verfügbare Jahresabschluss, soll das negative Eigenkapital der Firma bei 3,16 Millionen Euro gelegen haben.

Ein Problem dürfte es auch mit der Süßigkeit selbst geben. Wie auf dem Blog "esskultur" von Katharina Seiser zu lesen ist, kann auch die Schwedenbombe nicht nur überzeugen. Eine der wichtigsten Inhaltsstoffe, das "Hühnereiweiß" wird weder in Herkunft noch Qualität ausgewiesen. Mann könnte annehmen, dass es sich hier nicht um Freilandeier handelt, denn sonst würde man diese Informationen ja zu Marketingzwecken nutzen. Ebenso wenig auszuschließen ist, dass die Eier von Hühnern aus Käfighaltung stammen. Auch bei den anderen Produktzutaten ist die Food-Bloggerin sehr skeptisch.

Eine Neuaufstellung mit neuen Zutaten könnte einerseits höhere Preise rechtfertigen und würde andererseits wohl auch neue Kundenschichten erschließen. Die Food-Bloggerin schlägt "Bio-Schwedenbomben mit echter Vanille aus Eiweiß von österreichischen Bio-Freilandeiern vor". Ein Produkt, das in der Tat überzeugend klingt.

Kommentare

Andy Schmidt

Am Freitag dem 22. Februar ist der Schwedenbomben Flashmob angesetzt. Neben dem um 15:00 Uhr angesetzten Sturm auf die Niemetzzentrale im 3. Bezirk sind alle Fans in den Bundesländern aufgefordert, die Regale aller Tankstellen, Trafiken, Kioske, Einzelhändler und Supermärkte nach Produkten von Niemetz zu durchforsten und bis zum letzten Stück zu plündern.

brauser49

Es sieht wohl so aus als ob die Eigentuemer ständig zu viel Geld aus der Firma gezogen haben und es vielleicht besser wäre an Manner oder Heindl zu verkaufen um die Schwedenbomben (und Arbeitsplätze) zu retten. Und eine hier angedachte Veränderung zu "Bio" oder "Light" finde ich nicht gut bei einem so traditionellem "Verfuehrer". Schliesslich fragt keiner was in Mannerschnitten oder Mozartkugeln drin ist. Eine grosse Schelte auch an die PR-Abteilung die es nicht geschafft hat den Export anzukurbeln - oder z.B. bei McDonalds zu listen.

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Danke für den Artikel! Ich bitte alle die FB-Gruppe Rettet die Niemetz-
Schwedenbomben zu besuchen 39000 MItglieder,jede Sekunde ein Posting alte Werbung, dort können sich Unternehmen viele Gratiskonzepte holen. Eine Crowdfundingfa. ist grad dabei Genussscheine zu 150 Euro zu organisieren. Diese SÜSSE REVOLUTION glaub ich, wird den Handel und die Lebensmittelindustrie zu Änderungen zwingen!

manipura melden

Bei aller Euphorie für die Schwedenbombe - Vorher die ausständigen Löhne der Arbeiter und Angestellten der Firma Niemetz bezahlen! Denn auf deren Rücken wurde diese ganze Misere der Geschäftsleitung der Firma Niemetz ausgetragen!

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Der Masseverwalter Dr. Riel, lässt Frau Niemetz und ihren Steve Batchelor zu Interviews Ö3, cafepuls, damit jeder sich ein Bild machen kann. Bis zur 1.Gläubigertagsatzung im April, sind die abserviert! ebenso MMag.Werner Albeseder, laut Kurier für Finanz und PR zuständig! Dem Strafrichte werden erklären müssen, warum sie nicht rechtzeitig Konkurs beantragt haben. spätestens vor 2 Jahren. Wo der Be

wintersun melden

Sehr schön dass sich da so viele Leute engagieren. Wäre das nur bei wichtigen Themen auch der Fall :-(

Nudlsupp melden

@wintersun: Nicht verzagen, auch dieser Hype wird mal abflachen. So viel Schwedenbomben können die auf Dauer gar nicht kaufen, daß all die Probleme und Investitionsstaus zu lösen sind.

Aber Sie haben vollkommen Recht. Man stelle sich vor, zig Tausend Leute würden sich ebenso engagieren, wenn das Thema vielleicht nicht so in und nicht so sexy dafür aber einen Nutzen hätte. Themen gäbe es da wohl genug.

brauser49
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Margareta: Es wird uns nicht gelingen Niemetz zu retten aber unser aller Bemuehen sollte dahingehen die orig. Schwedenbomben in oesterr. Hand zu behalten und in Zukunft vieles besser zu machen.

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