Niederösterreich von

Mikl-Leitner
übernimmt das Ruder

Die Ära Pröll ist zu Ende

 LH Erwin Pröll und seine Nachfolgerin Johanna Mikl-Leitner © Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

In der Volkspartei NÖ kommt es nach fast genau 25 Jahren zum Wechsel an der Spitze. Johanna Mikl-Leitner beerbt am Samstag Erwin Pröll und wird Obfrau der Landesorganisation. Am Parteitag in St. Pölten trat Erwin Pröll zum letzten Mal als Obmann der Landesorganisation auf. Und wurde unter tosendem Applaus verabschiedet.

Der Auftakt stand ganz im Zeichen des scheidenden Landesparteichefs und Landeshauptmanns. Davon zeugt auch der Titel der Abendveranstaltung "Danke, Erwin Pröll". "Mein Herz wird - ob mit oder ohne Funktion - immer mit diesem Land verbunden sein", sagte Pröll am Ende seiner Rede.

Eine Ära geht zu Ende

Fast 25 Jahre lagen zwischen seiner ersten Rede bei diesem Gremium am 4. April 1992 und der heutigen - exakt 9.172 Tage, die er nicht bereut habe. Sechs Mal stellte er sich der Wahl der Delegierten, gemeinsam mit seiner Gesinnungsgemeinschaft schlug er sieben Nationalratswahlen, sowie je fünf Gemeinderats-, Landtags-und Europawahlen. Pröll dankte der Landesgruppe und zog Bilanz: Die Partei sei stark und gesund und eine der schlagkräftigsten politischen Organisationen in Europa. Im Fokus stehe seriöse Arbeit mit Bodenhaftung - das solle weiter das Markenzeichen der Landespartei bleiben, und es unterscheide die ÖVP deutlich von der SPÖ - "auch von jenen, die meinen, Politik ist zu 95 Prozent Inszenierung".

Im Blick auf seine Nachfolgerin an der Parteispitze und als Landeshauptfrau erklärte Pröll: "Wir sind mit Hanni Mikl-Leitner und ihrem Team exzellent aufgestellt." Beginnend mit der "Initiative für Erwin Pröll" ließ er Mikl-Leitners Stationen Revue passieren und betonte, dass sie jede Aufgabe professionell und mit Hingabe erledigt habe. Sie habe als Innenministerin unglaubliche Klarheit bewiesen, ihr Nachfolger im Innenressort, Wolfgang Sobotka, leiste ebenso exzellente Arbeit, erklärte Pröll.

Emotionaler Abschied

Er blicke mit Demut und Dank für die schönen Erlebnisse, aber ohne Wehmut zurück, so Pröll. Die Welt, das Land und auch die Politik hätten sich im vergangenen Jahrhundert verändert, es galt, die Weichen zu stellen: "Wir haben es ganz gut geschafft", hob er die Leistungen der Bevölkerung hervor. Und: "Wir sind Gott sei Dank vom Rand der freien Welt in die Mitte Europas gerückt", erinnerte Pröll an die Entwicklung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.

Niederösterreich sei aus dem Schatten der Bundeshauptstadt Wien getreten und heute ein selbstbewusstes, attraktives, weltoffenes Land, ökologisch ausgewogen und ökonomisch erfolgreich. Der Standort brauche keinen Vergleich zu scheuen. Allerdings mache ihm die Entwicklung Sorgen: Wer heute ein Infrastrukturprojekt angehe, brauche angesichts langer Verfahren einen immer längerem Atem. Wenn Projekte wie die 3. Piste am Flughafen Wien in Schwechat von Gerichten verhindert und dies von politischen Kräften wie den Grünen bejubelt werde, dann blockiere das - bei allem Verständnis für Anrainerrechte - die Zukunft. Die Politik müsse das Gesetz des Handelns wieder in die Hand bekommen.

Pröll sprach weiters seine offensive Kulturpolitik an und zeigte sich überzeugt, dass Kunst und Kultur der Humus für Kreativität und Fortschritt seien. Der Wissenschaftsatlas sei früher in NÖ ein weißer Fleck gewesen, heute aber mit MedAustron in Wiener Neustadt oder IST Austria in Klosterneuburg ein herausragendes Adressbuch.

»Ich war nie ein Fürst«

Der mit 19. April aus dem Amt scheidende Landeshauptmann erklärte auch, nicht müde zu werden, für den Föderalismus in der Republik einzutreten. Und er betonte, dass er nie ein "Fürst" war, wie auch medial öfter tituliert, sondern immer ein gewählter Landeshauptmann, der sich alle fünf Jahre dem Urteil der Bevölkerung gestellt habe.

Er sei dankbar für ein Leben ohne Krieg, sagte Pröll, der dem Bauernbund als Plattform für seine politische Entwicklung dankte, und vor allem seiner Frau für die Unterstützung. In seinen Schlussworten wurde Pröll emotional. Niederösterreich habe sein gesamtes politisches und mehr als die Hälfte seines persönlichen Lebens bestimmt und geprägt. Davon Abschied zu nehmen sei unmöglich.