Siegfried Ludwig von

Der Alt-Landeshauptmann ist tot

Der Vorgänger von Erwin Pröll wurde 87 Jahre alt. Er regierte von 1981 bis 1992.

Niederösterreichs Alt-Landeshauptmann Siegfried Ludwig im Jahr 2008 © Bild: APA/Fohringer

Niederösterreichs Alt-Landeshauptmann Siegfried Ludwig ist tot. Der ÖVP-Politiker, als Nachfolger von Andreas Maurer und Vorgänger von Erwin Pröll von 1981 bis 1992 im Amt, starb am Dienstag 87-jährig im Kreise seiner Familie im Landesklinikum St. Pölten. Zu seinem politischem Vermächtnis zählt vor allem die Schaffung einer eigenen Landeshauptstadt. Stichwort: "Ein Land ohne Hauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft."

Die jahrzehntelange Diskussion um dieses Thema wurde am 1. und 2. März 1986 mit einer von Ludwig initiierten Volksbefragung beendet, bei der sich die Landesbürger mehrheitlich für St. Pölten aussprachen. Zwei Jahre zuvor hatte Ludwig beim 33. Landesparteitag der Volkspartei NÖ in Klosterneuburg ein derartiges Projekt als "kühne, aber durchaus realistische Vision" bezeichnet. Am 10. Juli 1986 wurde St. Pölten offiziell Landeshauptstadt.

Landeshauptmann Erwin Pröll (V) sprach von einem schweren Verlust für Niederösterreich: „Siegfried Ludwig hat diesem Land ein starkes Herz und ein neues Selbstbewusstsein gegeben. Denn die Entscheidung für eine eigene Landeshauptstadt war eine Weichenstellung, von der noch viele Generationen profitieren werden“, so Pröll in einer Aussendung. Für Bundespräsident Heinz Fischer hat Ludwig entscheidend zum wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt Niederösterreichs beigetragen.

Trauer in allen Lagern
Mit Betroffenheit reagierten Vertreter aller Parteien, die die Leistungen des verstorbenen "Vaters" der Landeshauptstadt würdigten. Der NÖAAB trauerte um seinen Ehrenobmann und drückte der Familie Anteilnahme aus, die Sozialdemokraten verwiesen auf seine Handschlafqualität und Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg. LHStv. a.D. Ernst Höger (S) sprach vom Verlust eines persönlichen Freundes, St. Pöltens Bürgermeister und SPNÖ-Landesparteichef Matthias Stadler würdigte das Projekt St. Pölten ebenso wie die FP-NÖ, für die Ludwig ein Visionär und großer Politiker war.

Die ÖVP trauere um einen "Vollblutpolitiker mit Herz und Weitblick", so Parteiobmann Michael Spindelegger. Der Zweite Nationalratspräsident und GÖD-Vorsitzende Fritz Neugebauer verlor einen "langjährigen Weggefährten", Ludwig habe ein Leben für christlich-soziale Werte geführt. Weiters trauerten und kondolierten der FCG, VPNÖ-Klubobmann Klaus Schneeberger und der vormalige SPNÖ-Chef Sepp Leitner. Für den NÖ Wirtschaftsbund war Ludwig immer ein Vordenker mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Respekt und Anerkennung zollten dem Verstorbenen auch das Team Stronach und die Grünen.

Geboren in Znaim
Am 14. Februar 1926 in Wostitz bei Znaim (Tschechien) geboren, absolvierte Ludwig nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft bis 1953 als Werkstudent das Jus-Studium und trat 1954 in den NÖ Landesdienst ein. 1964 zog er in den Landtag ein, wurde 1968 Finanzlandesrat, 22 Monate später Landesvize und am 22. Jänner 1981 Landeshauptmann. Zuvor war der Vater zweier Kinder auch Bürgermeister in seiner Wahlheimat Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling). Am 22. Oktober 1992 trat er auf eigenen Wunsch als Landeshauptmann zurück.

Kommentare

Ignaz-Kutschnberger

Jemand der das Wohl des Landes noch über seine persönlichen Bedürfnisse stellte und dabei stets mit beiden Beinen am Boden blieb! Respekt und Anerkennung für deine politische Arbeit.

brauser49

Ein Mann der alten Politikergarde, ohne Skandale. "Handschlagqualität" ist wohl das beste Argument. LEB WOHL !

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