Landtagswahl von

Niederösterreich: Die
Wahlplakate im Experten-Check

Plus: Wie wichtig sind Plakate heutzutage überhaupt noch?

NÖ SPÖ PLakat © Bild: APA/Pfarrhofer

Am 28. Jänner wird in Niederösterreich gewählt, der Wahlkampf und seine Wahlplakate sorgen immer wieder für Aufregung wie etwa ein Wahlplakatverbot in Hollenstein an der Ybbs oder das Johanna Mikl-Leitner als "Moslem Mama" verunglimpfende Plakat der FPÖ. Was sind die Besonderheiten in diesem Plakatwahlkampf und welchen Einfluss haben Plakate überhaupt noch? News hat Politikwissenschaftler Peter Filzmaier um eine Expertenanalyse gebeten.

„Was bei allen Parteien auffällt, ist, dass sowohl auf Landes- als auch auf Bezirksebene besonders viele Köpfe zu sehen sind“, fällt Politikexperte Peter Filzmaier als erstes zu den Plakaten des niederösterreichischen Wahlkampfes ein. Und zwar quer durch die Parteien. Dies führt der Politikwissenschaftler auf das besondere Wahlrecht in Niederösterreich, Personen vor Partei, zurück, wonach die Vorzugsstimme mehr Gewicht hat als die Parteienstimme (es zählt beispielsweise eine Vorzugsstimme für Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mit einem gleichzeitigen Kreuzerl für die SPÖ als Stimme für die ÖVP). Darum sei beispielsweise auch der eher unbekannte FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer und nicht FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf den Plakaten zu sehen, erklärt Filzmaier. Dies würde sich in Mutationen bis auf die Bezirksebene durchziehen.

ÖVP setzt sich mit Land gleich

Bei der amtsinhabenden ÖVP falle vor allem der Schlüsselbegriff des „Wir“ auf, was aber laut Filzmaier wenig überraschend sei, denn wenn man bei der letzten Landtagswahl über 50 Prozent der Stimmen gehabt habe, müsse man ein extrem breites Spektrum an Wählern ansprechen. Zudem setze sich die ÖVP damit indirekt mit dem Land gleich – auch durch Verwendung der Landesfarben anstelle von schwarz oder türkis. Die Volkspartei biete zudem auf ihren Plakaten keine Angriffsfläche und küre auch keinen Gegner, was laut Filzmaier ebenfalls logisch aufgrund der Überlegenheit sei. Denn das Bestimmen eines Gegners würde diesen zu dem Überlegenen aufs Podest holen.

SPÖ: "Auffallen um jeden Preis"

Bei der SPÖ, die in Niederösterreich eher Kleinpartei ist, fallen die Plakate unter das Motto „Auffallen um jeden Preis“, wobei hier unklar ist, wieviel davon freiwillig und wieviel unfreiwillig passiert sei. Klar sei die Schaffung von Aufmerksamkeit für den davor weitgehend unbekannten Spitzenkandidaten Franz Schnabl zunächst wichtig, auch die spöttische Art sei nicht das Problem, doch ein Problem sei sehr wohl, dass es nur beim Spott geblieben ohne einen Hinweis auf ein Thema sei, so Filzmaier zu den bunten SPÖ-Plakaten.

Schnabl Plakat NÖ SPÖ
© APA/Fohringer

Freiheitlicher Spagat

Die FPÖ habe wiederum ihre Themen auf den Plakaten untergebracht. Spannend sei hier aber, dass sich die Freiheitlichen komplett als Oppositionspartei gäben und offensiv bis plakativ - und mit dem „Moslem-Mama“-Plakat sogar aggressiv - auftreten würden. Sie präsentieren sich trotz Regierungsbeteiligung im Bund auf Landesebene immer noch als diejenigen, die „gegen die oben“ kämpfen. Ein interessanter Spagat, findet Filzmaier.

NEOS und Grüne präsentieren sich als kontrollierende Opposition

Bei den NEOS und den Grünen gibt es jedoch, zurückzuführen auf den Ressourcenmangel, gar keine flächendeckenden Plakate. Nur punktuell werden hier Botschaften plakatiert, viel mehr wird auf Social Media (was laut Filzmaier bei diesen beiden Parteien und deren Wählern durchaus Sinn mache) gesetzt. Die Botschaft der wenigen Plakate ist jedoch klar: Die beiden Parteien präsentieren sich als einzige Opposition, die die Regierung kontrolliert.

Indirekte Wirkung nicht unterschätzen

Dass Plakate überhaupt mehr und mehr von sozialen Medien abgelöst werden, kann Filzmaier zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestätigen. Der direkte Einfluss der Plakate sei natürlich sehr gering, denn auch wenn zwischen 90 und 98 Prozent aller Wähler diese wahrnehmen, wird nur eine einstellige Prozentzahl, wenn überhaupt, davon beeinflusst. Wichtiger sei allerdings die indirekte Wirkung der Plakate, allen voran das Setzen von Themen. Die Plakatthemen würden von Medien aufgegriffen und in weiterer Folge dann auch am wichtigen Stammtisch diskutiert. Darum sei, so Filzmaier, ein Verzicht auf Plakate fatal.

»"Nicht dabei sein ist fatal"«

Auch nicht unwesentlich sei das Plakat als Identifikationsmerkmal für die eigenen Wahlkämpfer. Diese würden bei der Abwesenheit von Plakaten in der jeweiligen Landesgeschäftsstelle Sturm laufen; aus Unverständnis warum alle anderen an der Autobahnabfahrt zu sehen seien, die eigene Partei aber nicht.

Auch wenn, so Filzmaier, das Schlüsselmedium nach wie vor das Fernsehen sei, so käme es doch auf einen gelungenen Mediamix an. Angefangen bei einer Veranstaltung oder Hausbesuchen, die vor allem im ländlichen Raum immens wichtig seien, würden diese wiederum Berichte in TV und Zeitungen auslösen, worüber in weiterer Folge auf den sozialen Medien diskutiert würde. Der „permanente Doppelpass“ in einem gut abgestimmten Konzept sei das Um und Auf für einen gelungenen Wahlkampf, reüssiert der Politikexperte.

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