"Nie in Anrüchiges involviert"

"Nie in Anrüchiges involviert"

Der neueste Ausrutscher von Jörg Haider hat Ariel Muzicant, den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, tief getroffen. Im FORMAT wehrt er sich gegen Haiders Anschuldigungen und erklärt seine Position im Entschädigungsstreit.

Format: Herr Muzicant, Haider sagt, er habe mit der Bemerkung "Ariel" und "Dreck am Stecken" nicht antisemitisch sein wollen, sondern habe es als Symbol für Sauberkeit gemeint, weil Sie in unsaubere Spekulationsgeschäfte verwickelt seien.

Muzicant: Zunächst einmal muß er sich einig werden, weswegen ich Dreck am Stecken haben soll. Zuerst sagt er, wegen der Schulden der Kultusgemeinde, dann wegen meiner Immobilienspekulationen. Also was jetzt?

Format: Die Kultusgemeinde hat 600 Millionen Schulden.

Muzicant: Ich bin seit 1998 Präsident der Gemeinde, da hatten wir 725 Millionen Schulden. Jetzt haben wir achtzig Millionen weniger. Seit 1981 bin ich für die Immobilien zuständig, und da habe ich ein Vermögen von sechshundert Millionen übernommen und auf 1,8 Milliarden vermehrt. Wir haben aber laufende hohe Ausgaben für die Infrastruktur usw., die haben wir zum Teil mit Krediten gedeckt. Ich könnte jederzeit ein Drittel des Vermögens verkaufen und die Schulden abdecken, aber das wäre die Liquidation der Gemeinde.

Format: Ihr Ausweg wäre, daß die öffentliche Hand das sogenannte erblose Vermögen, das sich Bund und Länder angeeignet haben, an die Kultusgemeinde zurückstellt. Deshalb haben Sie ja auch das Washingtoner Abkommen nur paraphiert und nicht unterschrieben.

Muzicant: Ich will mit Hilfe der Historikerkommission nachweisen, daß der Schaden, den die Nazis der Kultusgemeinde zugefügt haben, rund acht Milliarden Schilling beträgt. Davon soll man uns zehn bis fünfzehn Prozent ersetzen oder als Naturalrestitution zurückgeben – so wie das die Deutschen nach 1945 unendlich großzügiger gemacht haben. Ich kann auf Dauer nicht mit Schulden leben. Wenn ich Immobilien liquidiere, dann habe ich niedrigere Einnahmen und nicht die Mittel zum Erhalt der Infrastruktur.
Format: Haider sagt, Sie hätten persönlich als Immobilienmakler Deals mit der Gemeinde Wien gemacht, wo andere nicht zum Zug gekommen wären.

Muzicant: Im Unterschied zum Herrn Immobilienmakler Plech, der der FPÖ nahesteht, sitze ich nicht in irgendwelchen Aufsichtsräten. Ich habe nie aus meiner Gesinnung ein Hehl gemacht, aber nie irgendwelche parteipolitische Positionen angenommen. Ich realisiere auf Grund meiner Kenntnisse Projekte – da bin ich aber in der Gesellschaft von vielen anderen, die das mit mehr oder weniger Geschick tun. Ich habe mich nie an Abbruchhütten und dergleichen beteiligt – wie manche, die
da jetzt im Hintergrund sticheln. Ich war nie in irgendwelche anrüchigen oder rechtlich verfolgbaren Handlungen involviert. Ich bin genausowenig ein Spekulant wie die anderen Immobilienunternehmer in Wien. Was soll der Unsinn?

Format: Warum kommen jetzt Ihrer Meinung nach plötzlich die Attacken von Haider?

Muzicant: Ein Ausländerwahlkampf ist jetzt ein bißchen heikel, jetzt sucht er ein anderes Thema, mit dem er hier seine Wählerschaft anspricht.