Nichtrauchertagebuch von

Als Nichtraucherin
für Rauchverbot in der Gastronomie

Nichtrauchertagebuch - Als Nichtraucherin
für Rauchverbot in der Gastronomie © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Dem Glimmstängel den Kampf ansagen - Wie schwierig ist es, mit dem Rauchen aufzuhören? Unsere Redakteurin Alexa Lutteri macht den Selbstversuch.

Mit dem Rauchen aufzuhören ist mühsam. So lautet zumindest die weit verbreitete Annahme. Ob es wirklich so schwer ist, wie sich ein Nikotinentzug auswirkt und welche Veränderungen spürbar sind, hat unsere Redakteurin Alexa Lutteri im Selbstversuch getestet. Wie es ihr dabei ergeht, beschreibt sie in ihrem "Nichtrauchertagebuch".

Alexa ist 27 Jahre alt und hat bis vor kurzem an normalen Tagen etwa 5 Zigaretten geraucht. Beim Ausgehen, waren es schnell doppelt so viele. Das Rauchen hatte für sie immer soziale Gründe. Gesellschaft und Genuss, Auszeit, Freiheit und ja, schon irgendwie auch Coolness. Besonders am Abend bei einem Bier mit Freunden kann sie sich immer noch kaum vorstellen, nicht zu rauchen.

24.11.2017 - Tag 1

»Schwierig ist es natürlich immer«

Ich habe jetzt beim Rauchertelefon angerufen und mich ein bisschen beraten lassen. Sie sind der Meinung, dass ich das schaffen kann, auch nachdem ich so wenig geraucht habe – aber man soll sich vorbereiten, wie auf eine Bergtour. Ich habe mir also Nüsse und ein bisschen Schokolade gekauft und versuche mich heute zusammenzureißen und einfach so nicht mehr zu rauchen. Schwierig ist es natürlich immer, weil man zu allererst Gründe zusammentragen muss, beziehungsweise sein inneres Ich davon überzeugen muss, dass man aufhören will.

© Video: News

25.11.2017 - Tag 2 PDM-Methode

Ich habe mir nun doch zusätzliche Unterstützung geholt und war bei einem Seminar das sich PDM-Methode nennt. Mit tiefenpsychologischen Methoden wie Meditation und einem ätherischen Öl wird versucht die Nikotinsucht bzw. das Verlangen aus dem Verstand zu verbannen. Ich bin total k.o. und will nur mehr ins Bett, rauchen will ich zumindest einmal nicht – vielleicht auch deshalb, weil wir beim Seminar alle 50 Minuten rauchen mussten.

26.11.2017 - Tag 3 Ein starker Wille

Es gibt zwar einige Rauchentwöhnungsprogramme, die damit werben, dass man gar nicht wollen muss, aber nachdem ich so einen Kurs belegt habe, kann ich sagen: Man muss in der Zeit danach auf jeden Fall wollen!

27.11.2017 - Tag 4

»Die psychische Abhängigkeit ist natürlich immer schlimmer«

Heute ist Tag 4 meines Nichtraucherdaseins und körperlich sollte ich nicht mehr abhängig sein. Die psychische Abhängigkeit ist natürlich immer schlimmer, die Gewohnheit, vielleicht auch die Unsicherheit. Ich denke immer noch daran – beim Kaffeetrinken, nach dem Essen und besonders am Abend.

28.11.2017 - Tag 5 Keine Party ohne Zigaretten?

Ich bin mir lustigerweise noch immer nicht sicher, ob das Nichtrauchen wirklich was für mich ist. Da ich Angst habe, es nicht durchzuhalten, wenn ich was trinke, bin ich in den letzten Tagen kaum ausgegangen. Also meine sozialen Kontakte leiden ein kleines Bisschen darunter, muss ich sagen. Aber wenn ich jetzt in ein rauchiges Lokal gehen würde, würde ich ziemlich sicher wieder damit anfangen.

29.11.2017 - Tag 6 Nach der Arbeit noch im Fitnessstudio

Ich kann es selber kaum glauben, aber ich war heute noch vor der Arbeit im Fitnessstudio! Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht einmal abends gerne hingehe, also ist das wirklich eine Besonderheit! Ich fühle mich echt fit und ich kann zwar nicht mit Sicherheit sagen, dass es am Nichtrauchen liegt, aber jedenfalls geht’s mir gut. Ich denke zwar vor allem bei bestimmten Tätigkeiten noch immer dran, aber ich versuche dann meistens durchzuatmen und mich irgendwie anders zu beschäftigen. Langeweile, das kann ich schon mal festhalten, ist ganz schlecht, um mit dem Rauchen aufzuhören.

30.11.2017 - Tag 7

»Es hat mich richtig geekelt«
© Video: News

Ich war jetzt gerade beim Kaffeetrinken mit einer Freundin – im Nichtraucherbereich und bin dann durch den Raucherbereich gegangen, um auf die Toilette zu gehen. Ich muss sagen, es hat mich richtig geekelt – das hat so gestunken! Ich habe jetzt ein bisschen Angst, dass ich zur richtigen Antiraucherin werde, ganz unentspannt und unsympathisch.

01.12.2017 - Tag 8 Das Wochenende naht...

Das Gute ist:Ich bin nun fast eine Woche rauchfrei. Das Schlechte ist: Das Wochenende steht bevor. Nun kann ich meine Freunde nicht länger hinhalten, kann mich nicht mehr zu Hause verkriechen und den Rauchenden aus dem Weg gehen. Ich versuche also sicherheitshalber ein Nichtraucherlokal vorzuschlagen und warte ab, wie es ankommt. „Ist gut“, schreibt ein Freund, „such du eines aus, ich kenne kaum Nichtraucherlokale.“ Ich fange an zu überlegen und merke schnell, dass auch ich mir neue Stammkneipen suchen werde müssen. Vielleicht bin ich aber auch irgendwann so weit, dass ich mich vor dem Rauch weder ekle noch von ihm in Versuchung gebracht werde.

© News/Alexa Lutteri

02.12.2017 - Tag 9 Lust ja, geraucht?Nein!

Ein Nichtraucherlokal war schneller gefunden als gedacht. Damit war es auch erstaunlich einfach, nicht zu rauchen. Klar, Lust hatte ich, aber mit extra Kaugummis und ein bisschen gutem Zureden von Seiten meiner Freunde ging auch. Die Minusgrade, die mich vor die Tür erwartet hätten, taten dann ihr Übriges und ohne mich übermäßig anzustrengen habe ich meinen ersten Samstagabend als Nichtraucherin verbracht.

03.12.2017 - Tag 10 Langsam bedankt sich meine Lunge

Frischer Schnee und ein bisschen Sonne locken mich raus aus Wien und auf den Schneeberg in Niederösterreich. Beim Aufstieg spüre ich meine Lunge, ich denke daran, wie sie sich vielleicht langsam bei mir bedankt. In der Geländehütte, auf 1.023 Metern wird geraucht. Man riecht es kaum, weil der Geruch des Holzofens und die Dämpfe der Küche vorherrschen. Ich bin froh darüber und ertappe mich kurz dabei, die Rauchenden schief anzuschauen.

»Der Rauch stört mich nicht«

04.12.2017 - Tag 11

Der Rauch stört mich nicht. Trotzdem versuche ich ihm aus dem Weg zu gehen. Als ich mich heute Abend mit Freunden treffe fällt es mir ehrlich schwer. Mein Nichtrauchen ist Thema, wir sprechen darüber und ich habe Lust zu rauchen. Doch gerade, weil wir darüber reden, wäre es nun blöd rückfällig zu werden. Deshalb rauche ich nicht. Selbst als wir zu später Stunde in einen Club gehen, bleibe ich stark.

08.12.2017 - Tag 15

Ich vergesse es langsam. Nur flüchtig fühle ich mich an die Zigarette erinnert, wenn ich jemanden auf der Straße rauchen sehe. Meistens bin ich froh, dass ich meine Hände dann in den Taschen meines Mantels wärmen kann – und zwar beide.

»Auch als Nichtraucherin war ich schon immer für ein Rauchverbot in der Gastronomie«

09.12.2017 - Tag 16

Wie jeden Tag drehe ich morgens das Radio an. Die Meldung über die Änderung des geplanten Nichtraucherschutzgesetzes enttäuscht mich. Auch als Nichtraucherin war ich schon immer für ein Rauchverbot in der Gastronomie. Heute allerdings beschäftigt es mich auf einer anderen Ebene: gerade als frische Nichtraucherin weiß ich, wie schwer es ist, sich an gemütlichen Abenden von der Zigarette fern zu halten. Wären alle Lokale rauchfrei, würde es mir persönlich leichter fallen aufzuhören – bestimmt auch vielen anderen.

Passend dazu: Die Österreichische Krebshilfe startete im Rahmen der „Don’t Smoke“-Kampange aus dem Jahr 2014 eine Online-Petition gegen das Aus des Verbots

10.12.2017 - Tag 17

Das geplatzte Nichtrauchschutzgesetz ist großes Thema, beruflich und privat. In einem Gruppenchat schickt mir eine Freundin den Link zur Petition der österreichischen Krebshilfe. Ich trage meine Kontaktdaten ein, und bin die stolz, Nummer 67.246 zu sein. Als ich am Abend noch einmal auf den Link klicke, haben bereits 187.215 das selbe getan.

12.12.2017 - Tag 19

Die Leute fragen mich kaum mehr nach meinem Erfolg oder danach, wie ich mich ohne Zigaretten fühle. Es fällt nicht mehr wirklich auf. Auch mir selbst fehlt es an nichts, körperlich fühle ich mich gut und je weniger ich darauf aufmerksam gemacht werde (passiv oder aktiv), desto weniger beschäftigt mich die Lust danach

Kommentare

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Ist genauso schwer, wie keinen Zucker mehr in den Kaffee zu geben. Oder auf die Lieblingsschokolade zu verzichten. Oder Sehnsucht nach seinem Liebsten zu haben.
Das ist für Suchtmenschen halt echt schwer, ich versteh das.
Zudem "körperlich abhängig" ist doch wohl ein Scherz.
So langsam sollte man mit solchen Lügengeschichten aufhören.
Und warum gehen Nichtraucher in Raucherlokale? Deppert?

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Würden die Leute auf Zigaretten ohne Zusatzstoffe und ohne Urandünger umsteigen würden auch um 75 Prozent weniger Karzinome in der Lunge auftreten. Aber die Industrie vergiftet uns sowieso alle... man schaue nur mal Teflon an, und alle kochen damit.

blauschau

habe 2 Pkt. HB täglich geraucht.Habe mehrmals versucht aufzuhören,ging nicht.Erst eine Akupunktur, angeboten von der Krankenkasse war erfolgreich.Dachte nie das sowas wirkt! Rauche seit 17 Jahren nichts.Stört mich auch nicht wenn wer neben mir raucht.Das Angebot der Krankenkasse war bei mir erfolgreich und würde es jeden empfehlen der aufhören will.

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