Nicht in der Stichwahl, aber entscheidend: Bayrou hält Schlüssel zur Macht in der Hand

Liberaler Hobby-Bauer landet auf starkem 3. Platz

Nicht in der Stichwahl, aber entscheidend: Bayrou hält Schlüssel zur Macht in der Hand

Mit dem Trecker ab durch die Mitte - so ließe sich das gute Abschneiden des französischen Liberalen Francois Bayrou auf den Punkt bringen. Der 55-jährige Hobbybauer und Ex-Bildungsminister hat einen rot-gelben Traktor zum Symbol seiner Kampagne gemacht.

Nun hat er zwar die ganz große Sensation verpasst und ist nicht in die Stichwahl um Frankreichs Präsidentschaft eingezogen. Doch seine Zentrumspartei spielt in den kommenden beiden Wochen beim Pariser Machtpoker eine entscheidende Rolle: Erstrundensieger Nicolas Sarkozy und die Zweitplatzierte Segolene Royal brauchen die Stimmen seiner Anhänger, um das Stechen in zwei Wochen zu gewinnen. Der Bauernsohn hält damit den Schlüssel zur Macht in der Hand.

Der Vorsitzende der Zentrumspartei UDF versucht, Frankreichs Rechts-links-Schema aufzubrechen. Er habe die Konsequenzen aus der Präsidentschaftswahl 2002 gezogen, sagt er. Damals hatten die Franzosen am Ende nur noch die Wahl zwischen dem Konservativen Jacques Chirac und dem Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen. Chirac verdankte seine triumphale Wiederwahl vor allem den Linken. In Chiracs Politik machte sich dies kaum bemerkbar. Als er den Staatschef gedrängt habe, einen Kurs der Öffnung zu fahren, habe dieser das als "Blödsinn" abgetan, erzählt Bayrou bitter.

Der überzeugte Europäer Bayrou ließ im Wahlkampf keinen Zweifel daran, dass er eigentlich an seinen eigenen Präsidenten-Stern glaubte. Stützen wollte er sich dabei nicht nur auf seine UDF. Nach einem Wahlsieg wollte er eine neue politische Formation gründen, der parteiübergreifend die besten Köpfe angehören.

Beide Lager werden ihm nun Versprechungen machen müssen. Gelegenheiten gibt es reichlich: Schließlich wählen die Franzosen am 10. und 17. Juni auch noch eine neue Nationalversammlung und stellen damit auch die Weichen für ihre Regierung. Bayrou, der einstige Lehrer für Latein, Griechisch und Französisch und sechsfache Vater, könnte dort einen einflussreichen Posten anstreben - oder versuchen, eine starke Opposition aufzubauen, um 2012 einen neuen Anlauf auf den Elysee zu nehmen. An Bayrous Zähigkeit gibt es keinen Zweifel. Schon der verstorbene sozialistische Präsident Francois Mitterrand bewunderte die Willenskraft, mit der Bayrou als junger Mann ein schweres Stottern überwand. (apa)