Nicht genügend Platz und Lebensmittel: Sind die Ressourcen der Welt wirklich am Ende?

Indien ab 2050 bevölkerungsreichster Staat der Erde NEWS: Experten-Wege aus der Hunger- & Armutsfalle

Nicht genügend Platz und Lebensmittel: Sind die Ressourcen der Welt wirklich am Ende? © Bild: Reuters/Kishore

Neun Milliarden Menschen leben 2050 auf der Erde, die Bevölkerung der ärmsten Länder verdoppelt sich. 900 Millionen Menschen hungern, obwohl es genug Nahrungsmittel gibt. Experten zeigen Wege aus der Hunger- & Armuts-Falle.

Bloß in der Zeitspanne, die Sie brauchen, um diesen Artikel zu Ende zu lesen, werden 1.500 Menschen neu geboren. Nach nur einer Zeile, also einer Sekunde, sind es um zwei mehr geworden. - Die Dynamik ist überwältigend. Über Jahrhunderte stieg die Zahl der Menschen in einer flachen Kurve, mit einem Mal schnellte sie rasant in die Höhe. 6,7 Milliarden Menschen leben heute auf der Erde, 1950 waren es 2,5 Milliarden, 2050 werden über neun Milliarden hier sein.

Doch der Zenit des Wachstums ist überschritten - angesichts der Liste an Superlativen ein überraschender Trend. Noch ist die Wende nicht greifbar, denn die Zahl der Neugeborenen übersteigt jene der Todesfälle deutlich. Einige Jahre wird es noch so bleiben, da jetzt die geburtenstärksten Jahrgänge im gebärfähigen Alter sind. Nur ein entscheidender Wert sinkt seit über einem Jahrzehnt: Wie viele Kinder eine Frau im Schnitt bekommt. Der Trend verlangsamt sich.

Indien wird Spitzenreiter
Doch bevor er greift, muss die Erde um bis zu 80 Millionen Menschen mehr pro Jahr verdauen. Der überwiegende Teil des Wachstums, 99 Prozent, entfällt auf die unterentwickelten Teile der Erde. Doch auch hier verschieben sich die Anteile. Rund jeder fünfte Mensch lebt heute in China, dem bevölkerungsreichsten Staat der Welt. Doch die dortige Ein-Kind-Politik bringt demnächst die Wende. 2050 wird Indien mit 1,8 Milliarden Einwohnern das menschenreichste Land der Erde sein.

Die Grenzen der Aufnahmefähigkeit unseres Planeten werden zu diesem Zeitpunkt aber noch längst nicht erreicht sein. Selbst die mehr als neun Milliarden Erdenbürger des Jahres 2050 könnten satt werden. Könnten, wohlgemerkt. Denn die lang zentrale Frage, wie viele Menschen auf der Erde leben können, ist durch eine neue Debatte abgelöst worden. "Es macht für unsere Zukunft nicht den entscheidenden Unterschied, ob sechs oder neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, sondern es geht darum, wie sie leben", betont der Bevölkerungswissenschaftler Rainer Münz. Auch Paul Roberts, der soeben sein Buch "The End of Food" herausbrachte, kommt zu diesem Schluss: "Die Agrarzonen der Erde bieten genug Kapazitäten, um zwölf Milliarden Menschen zu ernähren. Doch würden alle einen Lebensstil pflegen wie wir in Amerika oder Europa, dann reichten die Ressourcen nur für 2,8 Milliarden Menschen."

Fleisch spielt wichtige Rolle
Der entscheidende Punkt ist dabei vor allem der hohe Konsum von Fleisch in den Industrieländern. Um Kalorien für Nahrungsmittel durch Viehzucht "herzustellen", braucht man bis zu achtmal so viel Ackerfläche wie für dieselbe Menge auf pflanzlicher Basis. So gilt der wachsende Hunger auf Fleisch in den bevölkerungsreichen und auch immer wohlhabenderen Teilen Asiens als wesentlicher Faktor der aktuellen Verteuerung von Lebensmitteln. Ein Chinese isst heute im Durchschnitt 53 Kilo Fleisch im Jahr, doppelt so viel wie noch vor zwanzig Jahren. Allerdings: halb so viel wie ein durchschnittlicher Europäer oder Amerikaner.

Eine Milliarde völlert, eine hungert. Nur, wer entscheidet, was wir essen dürfen, damit alle satt werden? Ein "menschenwürdiges Leben für alle Menschen", wie Demograf Münz das zentrale Ziel der nötigen Bevölkerungspolitik formuliert, hält er für die zentrale globale Herausforderung. Und dieses sei nur dann erreichbar, wenn ein neuer Gerechtigkeitssinn einsetze.

Armut wächst schneller als Weltbevölkerung
Doch derzeit wächst, nicht zuletzt aufgrund der massiven Teuerungsrate, die Armut noch wesentlich rascher als die Weltbevölkerung. Eine Milliarde muss mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen. 850 Millionen Menschen galten noch zu Beginn dieses Jahres als "vom Hungertod bedroht". Mittlerweile, nur sieben Monate und exorbitante Preisanstiege später, ist diese Zahl bereits auf 900 Millionen angewachsen. Der oberflächliche Anschein, dass die Versorgung der gigantischen Bevölkerung an ihre Grenzen stößt, wächst.

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