Nicht allein, aber einsam: Immer mehr Menschen leiden unter sozialer Isolation

Symposium soll Leiden an die Öffentlichkeit bringen Oft Ursache von Einsamkeit: Mangelnder Selbstwert

Nicht allein, aber einsam: Immer mehr Menschen leiden unter sozialer Isolation

"Einsamkeit beginnt nicht, wo wir alleine sind, sondern wo wir zu leiden beginnen." Einsamkeit gebe es mehr denn je und betreffe jeden, sagte Majda Moser, Leiterin des Bioenergetischen Instituts in Wien, im APA-Gespräch. "Alleine kommt man da kaum raus", so die 55-Jährige. Wichtig sei, das Tabuthema Einsamkeit zu brechen: Dafür organisiert Moser am 1. März ein "Symposium gegen Einsamkeit" in Wien.

"Einsamkeit betrifft Kinder, Top-Manager, Eheleute, 'Normale' wie du und ich - es betrifft jeden", erklärte die Körpertherapeutin und Lebens- und Sozialberaterin. Etwa 60 Prozent ihrer Klienten würden sie wegen Einsamkeit aufsuchen. "Wenn man die Gesellschaft beobachtet, sieht man, dass die Menschen nicht mehr miteinander sprechen und Machtkampf und Neid vorherrschen." Ein Manager, der das Wochenende allein mit einer Flasche Whisky in der Badewanne verbringt, während seine Freunde glauben, er sei auf Geschäftsreise; ein Kind, das sich auf der Toilette einsperrt und den ganzen Tag isst: "Einsamkeit ist ein ganz großes Problem", so die Expertin.

Problem: Mangelnder Selbstwert
Das "Problem" hat viele Gesichter und tritt auch auf, wenn man sich in Familie, in einer Partnerschaft oder mitten in der Gesellschaft befindet. Dahinter stecke meist mangelnder Selbstwert - Ängste, dass man Erwartungen nicht entspricht. Einsam sein könnten ebenso gut auch gemiedene "Besserwisser" und Promis, meinte Moser. Letztere deshalb, weil sich "die Leute viel zu viel von einem erwarten. Sie glauben, wenn jemand prominent ist, dann muss es ihm immer gut gehen." Wenn man aber innerlich nicht spüre, dass man toll sei, "dann hilft das ganze Prominentsein nichts".

Erster Schritt: Selbsterkenntnis
Alleinsein äußere sich im körperlichen Leid: "Bei jeder Krankheit ist eine stabile Psyche wichtig, um wieder gesund zu werden. Wenn wir einsam sind, dann ist das psychische Gleichgewicht nicht vorhanden", erklärte Moser. Der Weg heraus beginne beim Erkennen, dass man einsam sei und dabei, selbst Vorstellungen zu haben, "wo es hingehen soll. Eine eigene Wertigkeit finden, schauen, was hat mich soweit gebracht", sagte die 55-Jährige. "Ursachen erkennen, langsam ändern und am Selbstwert arbeiten. Das Leben selbst in die Hand nehmen. Sich vor den Spiegel stellen und sagen: Ich liebe mich." Einsamkeit gebe es nicht nur in der Stadt - hier sei die Einsamkeit nur anonymer, am Land verdeckter: "Man spricht miteinander, aber sehr oberflächlich."

Selbsthilfegruppe statt Partnerbörse
Moser hat um 2000 auch eine Selbsthilfegruppe gegründet und über Jahre geleitet. Das von manchen Teilnehmern erwartete Gratis-Büfett und als Draufgabe den richtigen Lebenspartner dazu gab es bei den wöchentlichen Gruppenabenden nicht: Man sprach über Probleme, machte Körperübungen und erarbeitete mögliche Lösungen, berichtete die Expertin.

Was: "Erstes Symposium gegen Einsamkeit"
Wann: 1. März von 10.00 bis 16.00 Uhr
Wo: Wiener Ärztehaus, Frankgasse 8, 1090 Wien.

Weitere Informationen unter www.bioenergetik.at .

(APA/red)