Nicht nur in Deutschland: Auch Frankreich
und Polen haben ein Tormann-Problem

"Lama-Affäre" könnte Barthez WM-Platz kosten Dudek und Boruc beanspruchen Nummer 1 für sich

Kahn oder Lehmann, Barthez oder Coupet, Dudek oder Boruc - die Tormannfrage wird vor der Fußball-WM nicht nur in Deutschland heftig diskutiert. Auch bei anderen WM-Teilnehmern liefern sich zwei Keeper einen Wettstreit, allen voran in Frankreich. Dort wandelt Grégory Coupet auf den Spuren von Jens Lehmann. So weit wie der Arsenal-Torhüter ist der 33-Jährige allerdings noch nicht. Erst Ende Mai will Nationaltrainer Raymond Domenech entscheiden, wer bei der WM in Deutschland das Tor der "Equipe Tricolore" hüten wird - Coupet oder der lange Zeit unumstrittene Platzhirsch Fabien Barthez.

Ohne die "Lama-Affäre" hätte es diese Debatte wohl nicht gegeben. Am 12. Februar 2005 spuckte der 34-jährige Barthez bei einem Testspiel mit Marseille den Schiedsrichter an und wurde für ein halbes Jahr gesperrt. In dieser Zeit hielt Coupet für Frankreich und seinen Club Olympique Lyon so gut, dass er sich jetzt ernsthafte Chancen auf die WM-Teilnahme ausrechnet. "Ich habe vom Kuchen genascht, und jetzt will ich ein ganzes Stück davon", sagt Coupet.

Trotz des leidenschaftlichen Gerangels um den Platz zwischen den Pfosten verlieren die Protagonisten kein böses Wort übereinander. "Ich schulde Fabien Respekt, schließlich ist er der Torwart, der uns die WM-Trophäe brachte", meint Coupet. Für Zinedine Zidane, der gemeinsam mit Barthez auch die EM 2000 gewann, hat Domenech ("Ich habe noch einige heikle Nächte vor mir") die Qual der Wahl: "Es ist doch positiv, wenn man über zwei so starke Torhüter verfügt."

Eine Tendenz vermag Frankreichs Fußball-Idol nicht zu erkennen. Dennoch hat es derzeit den Anschein, als ob Herausforderer Coupet aus dem Schatten des "kahlen Göttlichen" treten könnte. Im Winter wählte die französische Sportzeitung "L'Équipe" Coupet zum besten Torwart Europas. Zudem sprachen sich in einer Umfrage 69 Prozent aller Erstliga-Profis für den bisherigen Stellvertreter aus.

Auch in Polen bewegt die "T-Frage" die Gemüter. Beim deutschen WM-Vorrundengegner beanspruchen Jerzy Dudek vom FC Liverpool und Celtic Glasgows Keeper Artur Boruc die Nummer 1 für sich. Im Moment hat Boruc die Nase vorn. Doch seit seinem spielentscheidenden Patzer gegen die USA (0:1) vor sechs Wochen steht der 26-Jährige in der Kritik. "Er muss sich schon konzentrieren, wenn er in der Nationalelf im Tor stehen will", moniert Polens Auswahlcoach Pawel Janas.

Zumal Dudek die Hoffnung auf seine Rückkehr ins polnische Tor noch keineswegs aufgegeben hat. Trotz seines derzeitigen Reservisten-Daseins bei den "Reds" in Liverpool, für die er im Elfmeterschießen des Champions-League-Finales 2005 gegen den AC Milan (6:5) zum Helden wurde, weiß Dudek die Mehrheit der Nation hinter sich. "Ich werde hart arbeiten und hoffe auf meine Chance", sagt er.

Die räumt Brasiliens Nationalcoach Carlos Alberto Parreira den Reservisten Marcos (Palmeiras Sao Paulo) und Julio Cesar (Inter Mailand) nicht ein. Trotz des Formtiefs von Stammkeeper Dida (AC Milan) lässt er keine Torwartdiskussion aufkommen: "Dida genießt unser vollstes Vertrauen." Henri Michel, Trainer der Elfenbeinküste, geht den entgegengesetzten Weg: "Ich warte bis zum letzten Trainingslehrgang, dann wissen meine Jungs genau, wer Nummer 1 ist."

(apa/red)