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TV-Duelle: "Nur" um 3 Prozent?

Peter Pelinka über die Fernsehduelle zur Wahl und wieviel damit möglich ist

Kommentar - TV-Duelle: "Nur" um 3 Prozent? © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo

Stimmt ja: die TV-Duelle der Spitzenkandidaten zur Nationalratswahl gleichen Gladiatorenkämpfen (ohne folgender Todesgefahr), sind die absolute Zuspitzung des ohnehin extrem personalisierten Wahlkampfes, verdecken so oft den Blick auf die hinter den Wortgefechten steckenden Probleme und Parteien. Aber: wer darüber bloß die Nase rümpft (natürlich steckt da mehr Unterhaltung als Information drinnen, aber so ist eben TV) oder sich wie im jüngsten „profil“ Düringer-like als journalistischer Wutbürger geriert, tut so, als wären das österreichische Besonderheiten.

Nicht erst seit heute sind TV-Debatten aber international Höhepunkte eines jeden modernen Wahlkampfes: schon Kennedy ließ Nixon schlecht aussehen, Kreisky knockte Taus so endgültig aus, und Steinbrück verpasste gegen Merkel eben seine wohl letzte Chance. Und in den USA sind die (meist) drei TV-Duelle die Highlights jedes Kampfes um die Präsidentschaft.

Die hiesigen Duelle überraschen bisher positiv. Sie erreichen viele Seher (im ORF fast eine Million, bei Puls 4 ein Drittel) und bieten überraschende Rollen: Ein Kanzler, der erfolgreich gegen das Image eines emotionslosen Fadlings diskutiert, ein Vize, der dasselbe versucht, ein HC, der sich passagenweise als Staatsmann verstellt, eine glänzend vorbereitete Grüne, ein tapfer kämpfender Oranger, eine tolle Moderatorin (Ingrid, woher nimmst Du diese Ruhe?), nur die Claqueure im Publikum sind verzichtbar. Stronach war stets so, wie er ist, am entlarvendsten letzten Montag bei Puls 4. Das wird die Wahl nicht allein entscheiden, dazu kommen Printmedien, Plakat- und Onlinepräsenz (vielleicht sogar Werte?). Aber etwa 3 Prozent der Wähler werden durch die Duelle bestärkt oder umgestimmt. Es könnten dann doch die letztlich wesentlichen sein.

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