Gastkommentar von

Ein Schuss ins Knie

Wer Inserate storniert, weil kritisch berichtet wurde, schädigt sich selbst.

Gastkommentar - Ein Schuss ins Knie © Bild: News Stoegmueller Katharina

Eine Partei, die zum Mittel des Inserate-Boykotts greift, nimmt sich jedenfalls die Möglichkeit, via Werbung Informationen an potentielle Wähler zu transportieren und gegenzusteuern. Wer nur dort wirbt, wo er redaktionell freundlich behandelt wird – wie das übrigens das Team Stronach im Frühjahr ventiliert hat – nutzt das Mittel Werbung im Wahlkampf ungenügend.

ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch hätte die Geschichte der Inseraten- Boykotte studieren sollen – und dann vielleicht die Finger davon gelassen. Denn zumeist gehen die bekämpften Medien als Sieger hervor, besonders wenn diese auflagenstark sind. Den Boykotteuren indes beschert es ein negatives Image.

Je stärker Medien sich von Inseraten finanzieren, desto verlockender scheint es für manche Politiker und Wirtschaftstreibende, genehme Berichterstattung über Inserate-Entzug zu erpressen. Wie oft das hierzulande gelingt, müssen Medienjournalismus und Forschung erst recherchieren. In die Öffentlichkeit geraten ja nur die Fälle, wo Medien sich zur Wehr setzen.

Der Schweizer Presserat fordert in seiner Richtlinie 10.5: „Drohungen oder Boykotte sind grundsätzlich öffentlich zu machen.“ Nur damit ist die Informationsfreiheit bei tatsächlicher oder drohender Beeinträchtigung durch private Interessen schützbar.

„News“ hat mit dem Gang an die Öffentlichkeit das einzig Richtige gemacht: Die ÖVP wird sich den Boykott nicht dauerhaft leisten können, das Image des unabhängigen Journalismus ist gestärkt und die notwendige Debatte in der Medienbranche darüber, was in – zunehmenden? – Fällen von Ausseneinflüssen zu tun ist, hoffentlich stärker geführt werden.

Kommentare