Fakten von

Wut-Oma wird Gut-Oma

"Krone"-Kolumnistin schreibt über Kriegsflüchtlinge, Leser reagieren mit Hasspostings

BUCHPR€SENTATION "WUTOMA": NAGL © Bild: APA/Neubauer

"Ich mag unsere Asylanten" - auf Titel wie diesen muss der geeichte "Krone"-Leser gemeinhin nicht gefasst sein. Am Sonntag vor zwei Wochen aber stand er als Headline über "Friedas Welt", der Kolumne von Frieda Nagl. Die stets in mehrere Lagen Tracht gekleidete Pensionistin hatte es mit ihrem TV-Auftritt bei den ORF-"Sommergesprächen" 2014 als "Wut-Oma" zu schlagartiger Berühmtheit gebracht; seit Oktober 2014 darf sie auf Vermittlung von Boulevard-Veteranin Conny Bischofberger jeden Sonntag in der "Krone" Wut ablassen und andere Einblicke in ihre Gemütswelt vermitteln.

In der erwähnten Kolumne ging es um die Freude und die Erfahrungen, welche sie dank jener fünf Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak machen darf, die sie in ihrem Heimatort Rauris aufgenommen hat. Und von ihrem Ärger über FP-Chef Strache, der in Sachen Flüchtlinge "nur das Maul aufreißen und nichts tun" könne. Vergangenen Sonntag setzte die Pensionistin, die mit "ihren" Flüchtlingen schon einmal zum nahen Naturfreundehaus Sonnblickbasis auf 1.600 Metern hinaufsteigt, noch eins drauf: Von faszinierenden Koch-und Backkünsten der Syrer und Iraker in Rauris war da zu lesen, weshalb die Wut-Oma Strache nun " offiziell" auf ein Essen bei den Flüchtlingen einlade: Damit dieser endlich sehe, "wie nett die sind und dass wir auch etwas von denen lernen können". Dann, schreibt Frieda Nagl, würde der FP-Chef vielleicht "aufhören, von Wien aus auf unsere Asylanten zu schimpfen, ohne etwas zu tun -da schämt man sich ja".

Shitstorm auf "Krone.at"

Das hat offenbar gesessen: Prompt entlud sich der Geifer echter (oder bestellter?) Strache-Versteher in einem Shitstorm, wie er in dieser Intensität auch auf "Krone.at" selten vorkommt. Mit weit über 600 Postings wird dem abgekanzelten FP-Chef beigesprungen. Dass Nagl von "der Regierung bezahlt" und als "alte Frau so nötig wie eine Sommergrippe" sei, gehört noch zu den vergleichsweise harmloseren Beschimpfungen. Poster "Kaifoon" etwa beklagt, dass die Kolumnistin sich mit dem Aufruf zu mehr Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen einer "Hexenjagd auf Andersdenkende" angeschlossen habe - eine so hanebüchene Verdrehung der Tatsachen, dass sie aufs Erste wie Satire klingt. Die anderen Postings lassen aber keinen Zweifel, wie ernst sie gemeint sind: "Reini1117" etwa hofft angesichts der Kochaktivitäten der Nagl-Schützlinge auf besonders verschlagene Weise, dass "der Ofen immer schön ausgeschaltet ist, damit nix passiert " - ein Schelm, wer meint, dass da insgeheim auf brennende Asylheime auch in Österreich spekuliert wird. Jene 100 "Krone.at"-Poster, die just diesen Kommentar eines "Likes" für würdig befanden, hatten damit jedenfalls kein Problem.