Lebensmittelskandal von

Warum Essen so billig ist

Ein Lebensmittel-Boss packt aus. Mit welchen miesen Tricks uns die Industrie einkocht.

Lebensmittelskandal - Warum Essen so billig ist © Bild: thinkstock.de

Die Lebensmittelindustrie lässt sich nicht gern in ihre Fabriken schauen. Gutes Essen und industrielle Großproduktion passen nicht zusammen. Wie es hinter den Kulissen wirklich zugeht, verrät ein altgedienter Manager der Lebensmittelindustrie – anonym – im Gespräch mit NEWS.

NEWS: Vor wenigen Tagen hat die Nachricht vom Rindfleischbetrug Konsumenten in ganz Europa erschüttert. Hat Sie dieser Lebensmittelskandal überrascht?
Josef M.: Ehrlich gestanden: nein. Ich arbeite seit 27 Jahren in der Lebensmittelindustrie. Noch nie war der Wettbewerb so hart. Es war eine Frage der Zeit, bis ein Skandal auffliegt.

NEWS: Ist Betrug wie dieser in der Lebensmittelindustrie üblich?
Josef M.: Nein. Betrug ist die Ausnahme. Es geht immer nur um den billigsten Preis.

NEWS: Nehmen wir eine Fertigpizza als Beispiel. Wie werden die Zutaten ausgewählt?
Josef M.: Das ist schon der falsche Ansatz. Wenn wir eine Tiefkühlpizza in den Handel bringen wollen, dann bekommen wir eine Preisvorgabe vom Handel. Sonst listet er das Teil gar nicht. Der Handel sagt, eine Pizza darf 1,99 Euro im Verkauf kosten. Wenn wir gut verhandeln, bekommen wir 90 Cent pro Pizza.

NEWS: Was alles muss aus diesen 90 Cent bezahlt werden?
Josef M.: Da müssen sich alle Zutaten ausgehen, die Verpackung, die Produktion – also Arbeitskräfte, Geräte und Energie –, und verdienen wollen wir auch. Sparen kann man bei den Zutaten.

NEWS: Wenn man heimische Bio-Tomaten, saftigen Schinken und guten Käse nimmt, sind das nur wenige Cent mehr, oder?
Josef M.: Diese wenigen Cent entscheiden über Gewinn oder Verlust. Wer braucht Bio-Tomaten auf einer billigen Tiefkühlpizza? Da kaufen Sie am Markt tonnenweise passierte Tomaten ein. Wo die Anbaugebiete tatsächlich sind, behandelt der Großhändler als Betriebsgeheimnis. Uns interessiert sowieso nur der Preis.

NEWS: Gibt es auch Tricks?
Josef M.: Bei einer Fertigpizza achtet kein Mensch darauf, welcher Käse verwendet wird. Deshalb nimmt man sogenannten Kunstkäse. Der wird auch aus Milch gemacht. Nur wird die Milch zerlegt und das tierische Fett gegen Pflanzenfett ausgetauscht. Das ist viel billiger.

NEWS: Ist das nicht Betrug?
Josef M.: Wieso? Es fragt ja niemand. Auch für Speiseeis wird seit einigen Jahren Pflanzenfett statt Schlagobers verwendet. Das regt niemanden auf.

NEWS: Achtet ein Produzent bei Fleisch auf die Tierhaltung?
Josef M.: Tiere sind Kostenfaktoren, die man optimieren muss. Es gibt Großhändler, die mischen Fleisch einer Qualität von Produzenten aus aller Welt. Natürlich kommt auch viel aus China. Transportkosten wirken sich nicht aus. Und man muss nicht die besten Teile für Schinken nehmen. Ohne Geschmacksverstärker schmeckt eine Tiefkühlpizza ohnehin nicht gut.

NEWS: Und wie kommt Pferdefleisch in die Lasagne?
Josef M.: Weil nach einem Jahr der Handel kommt und sagt, im nächsten Jahr bekommen Sie nur noch 81 Cent für Ihre Pizza, oder Sie sind draußen. Dann werden Sie kreativ, suchen noch billigere Zutaten und hinterfragen die Quelle lieber nicht.

Mehr zum Lebensmittelskandal finden Sie im aktuellen NEWS 08/13!

Kommentare

Ein Punkt wurde in dem Interview leider nicht zur Sprache gebracht. Daß bspw. bei den fleischverarbeitenden Betrieben massenweise Leute entlassen werden, und stattdessen busweise "Ich-AG´s" aus Osteueropa angekarrt werden, die dann 60 Stunden und mehr pro Woche arbeiten und dafür mit Beträgen ab € 3 die Stunde abgefertigt werden.

Und dies, damit auch unsere Helden wie zombie, Kickoff-Guiseppe-Verdi und Konsorten ihr billiges Schnitzel bekommen.

Man stelle sich vor, es gäbe eine menschenfressende Spezies die Babys züchtet um diese zu essen. Zusammengepferchte Babys in einem Käfig,die älteren Menschenkinder würden an einem Fleischhaken aufgehängt und würden direkt auf einem Fließband in die Köpfungsstation transportiert. Auf Hühnerfarmen geht es so zu und überhaupt ist die ganze Massentierhaltung eine Schweinerei sondergleichen. Man kann sehr wohl beim Kauf auf Qualität achten und herausfinden ob das Fleisch von einem Tier mit artgerechter Haltung stammt oder aus einer Massentierhaltung. Würden alle Konsumenten darauf achten und nur noch Fleisch oder Tierprodukte von "glücklichen Tieren" kaufen, hätten solche Massentierhaltungen wenig Chancen.Die meisten Menschen sehen einfach weg und "fressen" trotzdem genüsslich ihr Schnitzel. Natürlich geht es da auch um den Preis, aber mir ist lieber etwas mehr zu zahlen, als die Produkte von den armen gequälten Tieren. Da vergeht mir gründlich der Hunger.
http://www.youtube.com/watch?v=kgksZ8D9raA

was haben denn erdbeeren mit billigpizza zu tun? es gibt leute die mögen keine äpfel-tomaten gibts in at im winter auch nicht-eigentlich sollte es nach dieser theorie in at gar keine frischen gemüse in den wintermonaten geben, ich seh zumindest nichts auf dem schnee spriessen

Und schuld sind wieder die Politiker, die so einen Mist zulassen. Vor einigen Jahren hat alles besser geschmeckt, und ich glaube nicht dass wir (Konsumenten) so einen Billigfraß wollen. Wenn dem wirklich so ist dann haben einige oder sehr viele Leute was im Schüsserl. Ich jedenfalls setze noch auf Qualität und bin bereit was dafür zu bezahlen. Da sollte sich die Mehrheit mal den Kopf zerbrechen, ob es notwendig ist im Winter spanische Erdbeeren um 1,69 Euro zu kaufen. Möchte nicht wissen wie viele Gifte da drin stecken.

ESSEN ist billig ?
Sicher nicht ! Solche Fertigmenüs dürfte man nicht als ESSEN bezeichnen ! Wenn wir wüssten was da alles drinn ist würden wir sicher mit dem kotzen nicht fertig werden.
Im Supermarkt wundere ich mich oft über Preise. Oft ist Fleisch in Aktion billiger als frisches Gemüse......

Marc 99 melden

Falsch! Nicht der Konsument verlangt billige Produkte sondern die Anbieter (Produzent + Handel) verführen den Konsumenten zum Kauf billiger Produkte die er genau genommen gar nicht benötigt. Wer hat vor 30 Jahren Fertigmenüs gekauft? Da wurde halt selbst gekocht was unbestritten wesentlich gesünder ist. Aber jetzt wird halt billiger Mist auf den Markt gebracht, bei dem der Konsument nicht widerstehen kann. Gilt auch für alles andere, nicht nur für Lebensmittel! Die Pizza kann ruhig teurer werden, dann erledigt sich das Problem von selbst!

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schon richtig, wenn die 3 größten Handelsketten über 80% Marktanteil haben, wird Angebot und Nachfrage insofern ausgehebelt als dass diese 3 Ketten bestimmen, was überhaupt angeboten wird. Und die stellen sich natürlich nicht die qualitativ besten Produkte rein, sondern betriebswirtlogischerweise die Produkte die den größten Gewinn pro Einheit versprechen. Und die ganze EU wandert von Anbeginn an in Richtung der Herrschaft von Konzernen und Großproduzenten ( die kleinen verschwinden reihenweise), dass das jetzt auch den landwirtschaftlichen und Lebensmittelbereich betrifft, ist nicht die ganz große Neuigkeit. Und das Ziel ist erst erreicht, wenn der ganze Nahrungsmittelsektor, vom Saatgut bis zu den verkauften Produkten und Sorten in der Hand weniger Konzerne und einheitlich ist.

Aber nicht vergessen,angeleiert hats der Wähler, einerseits die Wirtschaftstreibenden, weil sie nur den großen Markt sahen und vergaßen,dass sie dort zumeist nur kleine Fische sind, andererseits die Unselbstständigen durch die Vorstellung mehr Geld im Börsel zu haben und vergessend,dass man auch nach unten nivellieren kann.
Die Gier ist halt ein Luder.

P.S.Die einzige Chance diesen Kreislauf zu durchbrechen liegt meines Erachtens darin, wieder mehr direkt beim Bauern bzw. regional einzukaufen. Aber dazu müsste man halt den Hintern heben, denn bequemer sind Supermärkte allemal. Alles eine Sache der Prioritätensetzung.

Interessantes Interview. Die harte Lage am Markt sollte inzwischen fast jedem bekannt sein, dennoch immer wieder erschütternd wenn man hört und sieht wie es da zugeht. Tiere sind ein Kostenfaktor, deswegen sollte man so billiges Fleisch verbieten und dem Vieh endlich halbwegs vernünftige Umstände bieten. Mehr Obst und Gemüse etc. schadet nicht, der Konsument versteht nur die Sprache des Preises und nicht der Ethik. Ist natürlich eine Phantasie von mir und wird nicht zur Realität werden da uns eh alles "wurscht" ist.

Bauernladen melden

Und warum macht das der Handel ?
Weil wir Konsumenten nur das billigste haben wollen.
Stell dir vor, der Handel bietet diese Billigpizza an, und keiner kauft sie !

Ivoir
Ivoir melden

Warum wollen wir das? Weil es billig ist, weil es so gut schmeckt oder einfach nur weil wir keine Zeit haben und Angst ansonsten zu verhungern?

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