NEWS: Roter Seitensprung ins Blaue? SPÖ
und ÖVP sind nun auf pikanter Partnersuche

Strache als 'Kummernummer für die Großparteien' SPÖ Klubobmann Cap sendet zarte Signale an FPÖ

NEWS: Roter Seitensprung ins Blaue? SPÖ
und ÖVP sind nun auf pikanter Partnersuche © Bild: APA

Eigentlich galt er ja als Persona non grata - als jener Politiker, mit dem in dieser Republik "eigentlich" kein Staat zu machen sei. Aber eigentlich heißt eben nur "eigentlich", und in Zeiten der politischen Krisen relativiert sich eben so einiges.

Und so ist FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache - Neonazi-Fotoaffären hin oder her - eben ganz plötzlich ein überaus begehrter Gesprächspartner - zumindest seit sich Rot und Schwarz so innig, so leidenschaftlich streiten, dass selbst ein Seitensprung ins Blaue wie eine Erlösung für die Beteiligten zu wirken scheint.

Rot-schwarze Avancen
Tatsächlich bestätigt Strache NEWS-Recherchen, wonach sowohl ÖVP als auch SPÖ bereits "an unsere Tür klopfen". Beide würden die Stimmung ausloten, beide seien derzeit besonders um ihn und seine blauen Kameraden bemüht. Er fühle sich derzeit, erzählt Strache im NEWS-Interview, wie "die Kummernummer der Großparteien, die sich bei uns über den jeweils anderen ausweinen". Besonders eifrig wird er derzeit von den Klubobmännern der Regierung umgarnt. VP-Klubchef Wolfgang Schüssel zeigt zurzeit immer wieder auffallendes Interesse an Strache und den Seinen. Immer wieder führt er mit Strache und Co Gespräche über den Tag danach - also den Tag nach allfälligen Neuwahlen, um potenzielle Koalitionsmöglichkeiten auszuloten. Schüssel hatte schließlich schon einmal den Tabubruch gewagt und 2000 das Bündnis mit Jörg Haider geschlossen. Doch genau hier liegt das schwarze Problem. Denn Strache meint nun: "Ich habe nicht vergessen, dass die ÖVP versucht hat, uns politisch umzubringen. Die derzeitigen Ereignisse der großen Koalition erinnern mich an damals." Und so macht er denn auch kein Hehl daraus, dass er "Rot-Blau als reizvoll" empfände. Und auch die SPÖ will sich im Unterschied zu früheren Jahren nicht mehr nur in die "Geiselhaft der Schwarzen begeben", wie es ein SP-Stratege nennt, und sendet zarte Signale aus. Ganz besonders SP-Klubobmann Josef Cap, der einen regen und guten Kontakt zum blauen Oppositionschef pflegt. Immer wieder hatte er sich in den vergangenen Monaten mit Strache zum Kaffee getroffen und auch immer wieder mit ihm telefoniert.

Einziger Haken: Die SPÖ hat nach wie vor einen aufrechten Parteitagsbeschluss, nicht mit der FPÖ zu koalieren - zumindest eigentlich. Aber "eigentlich" hat in Zeiten wie diesen eben nicht so viel Bedeutung.

Mehr zu Koalitionsproblemen und Politik lesen Sie im aktuellen NEWS 09/2008.