NEWS-Reportage: Rollende Ost-Bomben!
Auf der Jagd nach gefährlichen Schrott-Lkw!

NEWS begleitete Polizisten auf Lastwagen-Kontrollen Gefahr: Jeder dritte Lkw aus dem Osten mit Defekten<br>Durchklicken: Was die Polizei von den Straßen holt!

NEWS-Reportage: Rollende Ost-Bomben!
Auf der Jagd nach gefährlichen Schrott-Lkw!

Langsam, ganz langsam, rollt der riesige Lkw mit rumänischem Kennzeichen auf die Rampe des mobilen Prüfzugs der niederösterreichischen Landesregierung. Hier, am Gelände der Straßenmeisterei bei St. Pölten, endet vorerst der Weg des Fernfahrers Silaghi M., der, aus Deutschland kommend, auf dem Heimweg nach Bukarest ist. Auf den ersten Blick scheint sein Fahrzeug gepflegt und weist keine groben Mängel auf - doch der Fahrer dürfte wissen, warum er seinen Laster nur vorsichtig bewegt.

Denn der Schein kann trügen, wie Erwin Weidinger, Bereichsleiter für Kraftfahrwesen des Landespolizeikommandos Niederösterreich, weiß: "Unsere Streifenbeamten sind deshalb auch besonders geschult und erkennen verdächtige Fahrzeuge, auch wenn augenscheinlich keine Mängel vorliegen."

Jedenfalls: Die Laster werden gezielt gestoppt, von den Polizisten zu den mobilen Prüfzügen eskortiert und dort auf Herz und Nieren überprüft. Bei rund jedem fünften Lkw, etwa aus Weißrussland, Bulgarien, Rumänien oder der Ukraine, bestehen schließlich gravierende technische Mängel.

Bei dem rumänischen Truck stechen den Polizisten sofort zwei Reifen des tonnenschweren Anhängers ins Auge: Nicht nur, dass einer der etwa 60 Kilo schweren Gummis kein Profil mehr aufweist - an weiten Teilen der Lauffläche ist bereits das Geflecht aus Stoff-und Metallstreifen erkennbar. Weidinger: "Wenn dieser Reifen reißt - und das kann in diesem Zustand jederzeit passieren -, fliegen nur noch die Fetzen. Nicht auszudenken, was passiert, wenn sich gerade ein anderes Fahrzeug auf selber Höhe befindet." Dann werden die Teile des Stoff-Metall Geflechts zu Geschossen, die alles durchbohren, was sie treffen.

Gefahr im Verzug
Für die Beamten heißt das: Gefahr im Verzug. Und für Silaghi M. den rumänischen Fahrer, dass er nun die Kennzeichen und die Zollpapiere abgeben muss und erst weiterfahren darf, wenn der Schaden repariert ist. "Ich verstehe das alles nicht", sagt er, "für Deutschland waren die Reifen gut, für Österreich nicht."

Außerdem beteuert er, die Mängel gar nicht bemerkt zu haben - doch auch das hilft nichts. Die Papiere sind futsch, außerdem muss der Rumäne mit einer Strafe von etwa 400 Euro rechnen. Dazu kommt noch die Gebühr für die Kontrolle am Prüfzug, die den Lenkern im Falle eines Mangels ebenfalls in Rechnung gestellt wird, pro Achse des betroffenen Fahrzeugs immerhin 15 Euro. Silaghi M. müsste also 445 Euro berappen - die er nach eigenen Angaben aber nicht hat.

"In diesem Fall und wenn es sich um Verstöße nach dem Kraftfahrzeuggesetz handelt, dürfen wir das Fahrzeug als Sicherheitsleistung einbehalten", erklärt Weidinger. Wenn der Fahrer nach 72 Stunden das Bußgeld noch immer nicht bezahlen kann, wird der Lkw von der Behörde beschlagnahmt. In der Regel überweisen aber die Spediteure aus dem Heimatland den offenen Betrag rechtzeitig.

Wartung in Eigenregie
Wie auch bei Silaghi M.: "Ich habe jetzt mit meinem Chef telefoniert. Er schickt einen Kollegen aus Rumänien, der Geld und zwei neue Reifen bringt."

Bei 34 Prozent der Lkws und Busse aus dem Osten wurden schwere Mängel festgestellt. "Die Beanstandungen beziehen sich meist auf Ölverlust, defekte Bremsen oder Lenkungen sowie Federbrüche und schlecht verzurrte Ladungen", so Georg Samuely von der Wiener Polizei.

Doch Fakt ist auch: Die Speditionen aus dem ehemaligen Ostblock haben ihre Fuhrparks in den vergangenen Jahren deutlich aufgerüstet. "Das Durchschnittsalter der Lkws im Fernverkehr beträgt etwa vier Jahre und liegt damit schon auf westlichem Niveau", sagt Reinhold Deussner vom Österreichischen Institut für Raumplanung. Freilich: Im Schnitt sind die "Könige der Straße" nach spätestens sechs bis acht Jahren schrottreif, bei einer Jahresfahrleistung von rund 150.000 Kilometern kein Wunder. Dementsprechend wichtig ist daher die Wartung der Fahrzeuge, die aber bei den Ost-Lkws oft nur in Eigenregie und in MacGyver-Manier erfolgt.

So ging niederösterreichischen Polizisten vergangene Woche ein Lkw ins Netz, bei dessen Anhänger einer der sechs Radbremszylinder undicht war. Weil aber dadurch der nötige Luftdruck für das gesamte Bremssystem laufend abnahm und der weißrussische Lenker offensichtlich den Zylinder nicht wechseln wollte, klemmte er kurzerhand den Schlauch der defekten Bremse ab. Dass sich so die Bremswirkung des mehr als zwanzig Tonnen wiegenden Anhängers deutlich verringerte, störte den Mann wenig. "Natürlich haben Laster aus Oststaaten dieselben Verschleißerscheinungen wie heimische, nur wird bei der Reparatur oft durch Improvisation gespart", weiß Weidinger.

Lesen Sie die ganze Story in NEWS 15/06!