NEWS-Report: Am Grenzzaun Europas

Die neue EU-Ostgrenze: Wie sich Europa vor Illegalen abschottet – und wo diese landen.

NEWS-Report: Am Grenzzaun Europas

Die EU-Außengrenze rückt noch heuer 450 Kilometer ostwärts. Wie sicher ist der neue eiserne Vorhang?

Plötzlich ist da dichter Nebel, ein matschiger Pfad, der vor ihm liegt, und Regen, der nicht enden will. Soll Europa so aussehen? Ist er schon in der Slowakei? Jamal Attal weiß es nicht. Als der Afghane knapp drei Stunden davor aus einem klapprigen Lada geklettert ist, konnte er im Dunkel der Nacht kaum seine Hand vor den Augen erkennen.

„Just run“, sagte ihm der grobschlächtige Russe am Steuer, der versprochen hatte, ihn für 1.000 Dollar über die Grenze zu bringen. Also lief der kräftige 29-Jährige los, wie so oft zuvor in den fünf Monaten seiner Flucht. Weg aus der kriegszerstörten Heimat, wo seine Brüder und der Vater bei amerikanischen Bombardements umgekommen waren. Mit Schleppern, denen er 6.000 Dollar zahlte, nach Moskau und von dort bis in die Ukraine.

Und nun das Ende, in Form eines Lichtkegels, der langsam auf ihn zukommt. Als die Grenzsoldaten etwas auf Ukrainisch rufen, wird Jamal klar, dass alles vergeblich war und er im Kreis gelaufen ist.

20.000 Verzweifelte. Wie er sind es Hunderte, die täglich dar-
an scheitern, die Ostgrenze der Europäischen Union zu bezwingen. 20.000 Menschen, so schätzen Experten, haben allein im Vorjahr versucht, von der Ukraine nach Ungarn, Polen oder in die Slowakei und von dort aus weiter in den Westen zu gelangen. Afghanen und Afrikaner, Inder und Iraker, Pakistani und Bengalen – junge Männer, aber auch Frauen und Kinder, vereint in der Verzweiflung und der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Sie waten im Sommer durch Flüsse, erklimmen im Winter schneebedeckte Gebirgskämme und kämpfen sich durch dichte Wälder. „Wie viele von ihnen beim Versuch, die EU zu erreichen, aus Hunger oder vor Erschöpfung entlang der längsten Landgrenze des Kontinents sterben, weiß keiner“, erklärt die Leiterin des UN-Flüchtlingshochkommissariats in Kiew, Simone Wolken.

War der Weg nach Westen schon bislang beschwerlich, so rückt die EU für die Flüchtlinge nun in noch weitere Ferne. Denn die Union schottet sich gen Osten ab. Noch vor Weihnachten sollen die neuen EU-Mitgliedsstaaten dem Schengen-Abkommen beitreten. Für Österreich bedeutet dies, dass danach die Grenzkontrollen zu den Nachbarstaaten der Vergangenheit angehören. Streng überwacht wird fortan nur noch an deren eigenen Ostgrenzen – also dort, wo die Union endet und das Heer der illegalen Migranten wartet.

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