Fakten von

Komm! Doch! Rein!

"Das Ortnerprinzip": Julia Ortner über politische Quereinsteiger

Julia Ortner © Bild: News/Ian Ehm

Sonja Hammerschmid, das ist die Frau, die „ganz von außen kommt“, aus der Praxis, nicht der Politik. Das sagt Klubchef Andreas Schieder von der SPÖ, selbst seit Studienzeiten Profipolitiker, zur Begrüßung der neuen Kollegin als Bildungsministerin. Da spürt man Respekt, die Neue ist nicht nur „von außen“, wobei „außen“ alles außerhalb der politischen Strukturen ist, nein, sie ist sogar „von ganz außen“, keine Sozialistische Jugend oder keine Junge ÖVP im Lebenslauf, ja, so kann man auch leben. Und da spürt man im Parlament auch eine gewisse Ambivalenz, man weiß ja nicht, wie sich jemand „von ganz außen“ hier integrieren kann.
Die Rektorin der Veterinärmedizinischen Uni Wien und Präsidentin der Universitätenkonferenz ist eine Bildungsexpertin von außen, die jetzt innen endlich die Schule reformieren soll. Da wartet viel Arbeit in zermürbenden ideologischen Fragen auf Hammerschmid, die in vielem eine Antithese zu ihrer Amtsvorgängerin Gabriele Heinisch-Hosek ist, die sich im System nach oben gearbeitet hat, wie es sich gehört: Gemeinderat, Nationalrat, Ministerium.
Politische Quereinsteiger sind auch immer dann ein beliebtes Phänomen, wenn Parteien keinen Kompromisskandidaten daheim finden, dringend eine herzeigbare Persönlichkeit brauchen oder eine besonders mühsame Position zu besetzen haben. Von Ex-Sportlerinnen bis Ex-Managern kamen schon viele in die heimische Politik oder ins EU-Parlament, geblieben sind längerfristig nicht so viele. Und das liegt nicht daran, dass sich alle im Stil von Einzelkämpfern wie Frank Stronach (Egozentriker mit Vermögen und Parteibesitz) oder Hans- Peter Martin (Egozentriker ohne Vermögen und ohne Parteibesitz) nicht „ins System“ einfügen wollten.
Die meisten Quereinsteiger haben ähnliche Probleme, wie sie die Journalisten Armin Wolf und Euke Frank in ihrem Buch „Promi-Politik“ beschrieben haben. Wie bewegt man sich in dieser Kultur? Wie hält man langwierige politische Prozesse aus? Und wie baut man sich ein Netzwerk aus Verbündeten auf, wenn die anderen rundum sich schon seit ihren gemeinsamen Aktivitäten in Jugend- oder Vorfeldorganisationen kennen?

Gerade ihre Individualität und ihr Blick von außen auf das System, anfangs Stärken der neuen Politiker, können später auch in die Isolation führen. Derzeit kann man das an Sophie Karmasin, Motivforscherin und Fernseh-Politikanalytikerin, beobachten. Seit ihrem Umstieg ins Familienministerium 2013 ist Karmasin eine Parteifreie ohne politisches Hinterland, in keinem Bund der ÖVP verankert, ziemlich alleine. Man kann eben jahrelang analysieren, wie Politik funktioniert. Wenn man dann selbst mittendrin sitzt, ist es ein ganz anderes Spiel.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: ortner.julia@news.at

Kommentare