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Neue Hoffnung für diese verzweifelte Mutter

Wegen eines Gutachtens verlor sie ihre Kinder. Nun erkämpfte sie eine neue Expertise

NEWS kämpft für Sie: Mutter wurde für geisteskrank erklärt. © Bild: NEWS/Markus E. Deak

Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr hat Alexandra L., 41, wieder Hoffnung. Hoffnung, dass sie ihre Zwillinge Max und Theo (Namen geändert) wieder öfter sehen darf. Ihre Kinder, zu denen sie seit Juni 2012 nur noch unregelmäßigen Kontakt hat. Denn im Juni 2012 hatte ihr ein Gericht ihre beiden Söhne, die bis dahin bei ihr gelebt hatten, abgenommen. Der Gerichtsentscheidung lag ein Gutachten der Psychologin Ulrike Willinger zugrunde.

In Willingers Gerichtsgutachten hieß es, bei Frau L. gebe es „Hinweise auf paranoide Wahnideen“ sowie „Beeinträchtigungen im kognitiven Bereich“. Das Gericht übertrug dem Vater die alleinige Obsorge. Alexandra L. erhielt nur ein Besuchsrecht. Es nützte ihr auch nichts, dass sie sich von der renommierten Psychiaterin Gabriele Wörgötter untersuchen ließ, die keine Hinweise auf eine psychiatrische Erkrankung bei ihr fand. Immer wieder stellte sie Anträge auf ein neues Gutachten. Immer wieder lehnte das Gericht ab. NEWS hat den Fall vor einigen Monaten öffentlich gemacht.

Und nun die vielleicht entscheidende Wendung: Vor wenigen Tagen hat das Landesgericht Korneuburg den Beschluss teilweise aufgehoben. Das Erstgericht muss nun neu entscheiden. Zudem muss ein neues Gutachten erstellt werden. Eine Sachverständige aus dem Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie wurde bereits beauftragt. „Ich bin so froh darüber“, sagt Alexandra L. über ihren Teilerfolg. In letzter Zeit habe sie ihre Kinder manchmal wochenlang nicht gesehen, da es grobe Differenzen bezüglich des Besuchsrechts gebe. „Ich weiß nicht einmal, wie es ihnen geht, diese Ungewissheit ist schwer zu ertragen“, sagt Alexandra L.

„Wir sind NEWS sehr dankbar.“

Ein Grund für den neuen Beschluss ist – laut Landesgericht Korneuburg – das im Februar in Kraft getretene Familienrechtspaket, demzufolge die gemeinsame Obsorge den Vorzug vor der alleinigen erhält. Das neue Gutachten soll unter anderem klären, ob die in der ersten Expertise vermerkte mangelnde Erziehungsfähigkeit der Mutter noch gegeben ist, ob es für die Kinder besser ist, wenn die Eltern die Obsorge gemeinsam ausüben und wenn dies der Fall ist, wo sie ihren hauptsächlichen Wohnort haben sollen.

„Meine größte Hoffnung ist, dass meine Kinder bald wieder bei mir leben können“, so die Mutter. Die erfahrene Prozessbegleiterin Margreth Tews, die Frau L. unterstützt, meint: „Im Sinne der Kinder sind wir für die Unterstützung von NEWS sehr dankbar. Wir sind überzeugt, dass dadurch das Verfahren beschleunigt werden konnte.“

Allerdings meint Tews, dass man die weiteren Entwicklungen im Auge behalten müsse. So habe die zuständige Richterin am Bezirksgericht Bruck an der Leitha, deren Beschluss von der oberen Instanz ja teilweise aufgehoben wurde, der neuen Gutachterin vier Monate Zeit für die Erstellung der Expertise gegeben. Das sei unüblich lange, meint Tews. 2014 kommen die Kinder in die Schule. Sind sie dann nicht wieder bei Frau L., sei eine Rückführung unwahrscheinlich. Auch wird Frau L. vor der Fertigstellung des neuen Gutachtens wohl kein verlängertes Ferienbesuchsrecht bekommen. Das hieße, dass sie ihre Zwillinge auch zu Weihnachten nicht sehen kann.

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