Medial von

Bachers Erbe

Julia Schnizlein über den Mediengiganten

Julia Schnizlein © Bild: News/Ian Ehm

Wer „Unabhängigkeit des ORF“ sagt, muss auch Gerd Bacher sagen. Der Mediengigant, der den ORF in seiner heutigen Form erfand, ist tot. Die Hoffnung, dass sein Erbe – der Kampf um die Freiheit der Berichterstattung – im ORF weiterlebt, wollte er bis zuletzt nicht aufgeben. Fortgeführt wird der Kampf heute von einer neuen Generation von Redakteuren, die vornehmlich in den „ZiB“-Redaktionen zu finden sind und sich gegen vieles zur Wehr setzen, was nach Einmischung riecht, notfalls auch gegen die Vorhaben ihrer Chefs – auch wenn die Politik nach wie vor Wege findet, sich einzumischen.

Es gibt heute Aufbegehren wie jenes Online-Protestvideo, als ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz auf Druck der SPÖ den damaligen Stiftungsrat Niko Pelinka ins Haus holen wollte. „Personelle Anschläge“ nannte das Bacher und polterte bis zuletzt, wie „unverschämt heute die Politik im ORF umrührt und ihre personellen Anschläge gar nicht mehr tarnt, sondern einfach durchführt! Das hat Bruno Kreisky wesentlich eleganter und mit mehr Respekt vor dem Haus gemacht.“ Ohne politische Personalzugeständnisse ist im ORF heute kaum ein heikleres Vorhaben durchzubekommen. Jüngstes Beispiel dafür ist das Frühstücksfernsehen, für das es von den Schwarzen erst dann grünes Licht gab, als das Projekt von bürgerlichen Hoffnungsträgern übernommen wurde.

Aber auch der große Bacher schaffte es nicht ohne Verbündete mehrfach an die Spitze des ORF. Auch seine Währung waren Personaldeals, die er dem Betriebsrat im Gegenzug für die Stimmen bei der Generaldirektorenwahl zusicherte. Später kämpfte Bacher gegen das Wahlrecht der Belegschaftsvertreter, aber da war es zu spät. Bis heute sind die Stimmen der Betriebsräte mit (Personal-) Zusagen verknüpft – auch das ist das Erbe Gerd Bachers.

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