Leitartikel von

Schwarz. Schwach. Männlich.

Frau sein ist kein Programm. Keine Frauen zu fördern aber auch keines

Eva Weissenberger © Bild: News

Das muss man verstehen. Ein ÖVP-Team ohne jeweils einen Vertreter der Wirtschaft, der Angestellten, der Landwirtschaft, das geht einfach nicht. Aber ohne Frau? Na ja, das entspricht zwar nicht ganz dem Image, das Bundesobmann Reinhold Mitterlehner der Partei aufdrücken will – „jünger, weiblicher, moderner“ –, aber: Pech. Also regieren nun neun Männer das schöne Land Oberösterreich.

Bereits in den 1990er-Jahren gaben die ÖVP-Frauen als Losung aus: „Schwarz. Stark. Weiblich.“ Und zumindest auf der Karriereleiter waren die rechten Damen, die glauben, dass sich die Besten stets durchsetzen, den linken Emanzen, die Eliten misstrauen und solidarisch stark sein wollen, immer eine Sprosse voraus: Die erste Ministerin, die erste Frau im Präsidium des Nationalrates, die erste Landeshauptfrau, die erste
Finanzministerin, sie alle stellte die ÖVP. Die erste Vizekanzlerin war eine Freiheitliche.

Eine Überzeugung eint Politikerinnen jedoch parteiübergreifend: Frau sein alleine ist kein Programm. Frauen in Ämtern garantieren noch keine frauenfreundlichere oder gar feministische Politik. Das Leben einer Ministerin oder auch Landesrätin mit Sekretariat, Pressesprecher, Fachreferenten und Chauffeur hat natürlich wenig mit dem Alltag einer Fließbandarbeiterin, Pensionistin, Kindergärtnerin oder Hausfrau gemein. Das ist bei Landeshaupt- und Feuerwehrmännern freilich ähnlich.

Eines aber fehlt schmerzhaft, wenn starke Frauen in Spitzenfunktionen fehlen: die Vorbilder. Die Botschaft an Mädchen: Ihr könnt alles werden, was ihr wollt! In Berlin Kanzlerin, in Wien zumindest Ministerin – in Linz aber nicht einmal Landesrätin. Frauen einfach auszubremsen kann wohl auch kein zukunftsträchtiges politisches Programm sein.

Und ist ein Landwirt erst einmal Landesrat, bewirtschaftet er seinen Hof auch nicht mehr selbst. Doch plötzlich findet die ach so liberale ÖVP Quoten sexy. Von erfolgreichen Frauen verlangt man immer, dass sie bekennen: „Nein, nein, ich will doch keine Quotenfrau sein! Engagiert mich nur, wenn ich die mit Abstand Bestqualifizierte für den Job bin.“ Wie halten Sie es damit, Herr Landesrat Hiegelsberger: Sind Sie der Quotenbauer in der oberösterreichischen Landesregierung? Eines können die Linzer Männer in diesem Fall wenigstens nicht behaupten. Dass sie keine geeignete Frau gefunden hätten, schließlich war die geschasste Landesrätin Doris Hummer sechs Jahre lang gut genug, man ging gemeinsam in die Wahl.

Das rote Reichsdrittel muss gar nicht hämisch grinsen– oder, wie man das heute macht, posten. Die sieben Gewerkschaften, die den ÖGB bilden, werden von sieben Männern geleitet, den vielen, vielen engagierten Betriebsrätinnen, die sich um die Alltagssorgen der Arbeiter und Angestellten kümmern, zum Trotz. Und ja, der Wiener Stadtregierung gehören viele kompetente Frauen an, und das wird wohl auch so bleiben. Aber wird Bürgermeister Michael Häupl, der in der Bundes-SPÖ als Einziger den Gewerkschaftsbossen Paroli bieten kann, in ein, zwei Jahren an eine Frau übergeben, damit es endlich wieder eine Landeshauptfrau gibt? Wenn nicht, dann werden wir auch schreiben: „Rot. Schwach. Männlich.“

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: weissenberger.eva@news.at

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