Eine Riesen-Hetz'

Susanne Zobl über die Komödie „Der Gockel“ von Georges Feydeau in der „Josefstadt“

Eine klassische Feydeau-Komödie wirkungsvoll ohne Kitsch und Konvention auf die Bühne zu bringen, ist nicht leicht. Josef E. Köpplinger zeigt, wie das geht. "Der Gockel“gerät durch seine Regie und durch die Übersetzung Elfriede Jelineks im Theater in der Josefstadt zum Pointenfeuerwerk.

von Leben - Eine Riesen-Hetz' © Bild: Erich Reismann Photography

Freilich, die Türen, die auf- und zuschnappen wie Mausefallen, hinter denen sich Liebhaber, Geliebte verbergen, Diener lauschen und gerade bei Nichtbedarf eintreten, gehören zu den Komödien des Franzosen Georges Feydeau wie der Samowar zu Tschechows Dramen. Und Türen gibt es auch bei Köpplinger auf der von Judith Leikauf und Karl Fehringer praktikabel ausgestatteten Bühne, die sich mit wenigen Umbauten in bürgerliche Wohnungen und ein zwielichtiges Hotel verwandeln lässt.

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In fast allen seinen Stücken geht es Feydeau um das Gleiche: um Ehe-, Betrug und Verwechslung. Eheleute treffen kreuz und quer mit den Liebhabern, vermeintlichen Nebenbuhlern in bürgerlichen Wohnungen zusammen, man vereinbart Treffen in einem Hotel, rein zufällig, alle in einem Zimmer, das bereits belegt ist, man verwechselt, verfolgt, bespitzelt einander, der Showdown, die große Prügelei im Hotelbett, ist die Achse, die schließlich die Wende herbeiführt.

Fast wie bei Woody Allen

Wie gut das funktioniert, zeigte Woody Allen mit seinem Drehbuch „What’s new Pussycat“ anno 1965. Er setzte auf Feydeausche Muster und Köpplinger wiederum, so könnte man zumindest annehmen, auf Bewährtes aus Hollywood und leistet dabei Präzisionsarbeit. Denn in „Der Gockel“ wird das Nämliche durch kluge Textstriche und Jelineks Übersetzung noch weiter auf die Spitze getrieben.

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In einer Stunde und 45 Minuten, eine praktikable Filmlänge, ist Köpplinger durch. Er setzt auf Rasanz im Spiel und eine gute Dosis Tempo. Trotzdem gibt er seinen ausgezeichneten Schauspielern genug Zeit, damit jeder seine Pointen ausspielen kann. Und das tun sie alle: Dominic Oley (Pontangnac) agiert wie eine Wienerische Ausgabe von Woody Allen. Michael Dangl changiert als Ehemann Vatelin den die Vergangenheit in Gestalt einer englischen Geliebten (Alexander Krismer) einholt, zwischen Non-Chalance und Nervenzusammenbruch. Pauline Knof ist seine würdige Gattin Lucienne. Auch vom übrigen Ensemble, besonders von Susa Meyer, Martin Zauner, Roman Schmelzer, Siegfried Walther lässt sich nur Bestes berichten. Siegfried Walther und Sänne Wiegand komplettieren ideal. Auch die kleineren Rollen sind vorzüglich besetzt. Vor allem Alexander Absenger zeigt als Diener Jean, was darstellerisch auch in wenigen Momenten mit präzisen Gesten möglich ist. Und genau das braucht eine Komödie.

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