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Salut für Schade und Shicoff

Heinz Sichrovsky über Tenöre, die Geschichte schreiben

Kultur - Salut für Schade und Shicoff © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo

Die weltreputierlichen Tenöre Neil Shicoff und Michael Schade sind hier zu feiern, weil sie in diesen Wochen Denkwürdiges jenseits der Akklamationsroutine vorlegen. Schade erduldete quasi Minuten vor Amtsantritt als Intendant der Melker Barocktage (ab 6. 6.) das Schlimmste: Festival-Widmungsträger Harnoncourt musste Haydns „Jahreszeiten" absagen.

Schade aber sublimierte das Debakel womöglich in die Musikgeschichte: Das singuläre Originalklang-Ensemble „Concentus Musicus", von Harnoncourt gegründet und laut branchenkonsensualer Befürchtung dereinst mit ihm abtretend, plant nun in Melk für mehrere Jahre offensiv seinen Fortbestand mit jungen Dirigenten (unter ihnen Daniel Harding).

Neil Shicoff hingegen tat nichts anderes, als an der Staatsoper die Titelrolle in „Hoffmanns Erzählungen" zu singen so wie ein Dutzend Mal zuvor. Dass er dies in Höchstverfassung tat, mit grandioser Gestaltungskraft, begeisternder Bühnenenergie und unattackierbaren Stimmreserven, bedürfte an sich keiner Hervorhebung. Wäre Shicoff, Jahrgang 1949, nicht für Piotr Beczala, Jahrgang 1966, eingesprungen, der von der Rolle klug Abstand nahm. Der Alterslose riss auch andere in die Weltklasse mit, im Besonderen die sensationelle Daniela Fally und den formidablen Schurken Ildar Abdrazakov. Den Ovationen schließe ich mich umweglos an.

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