Peter Pelinka von

Kampusch: Und jetzt Schluss!

Wer noch immer an Verschwörungstheorien bastelt, missbraucht sie ein zweites Mal

Kommentarfoto News Pelinka © Bild: News / Stoegmueller Katharina

Ich moderiere seit 15 Jahren – damals auf Einladung von Gerhard Zeiler und Rudolf Nagiller – mit kurzer Unterbrechung alle vier bis sechs Wochen den Polit-Talk des ORF am Sonntagabend. Fast stets bescheinigen mir Publikum und Seher, meine Aufgabe fair, unabhängig von eigener Meinung, wahr genommen zu haben. Nur einmal zweifelte ich selbst daran: als im Vorjahr noch einmal der Fall Kampusch hochgekocht wurde und auch bei „Im Zentrum“ zwei Gäste mit aller Macht die offizielle Darstellung der Behörden in Zweifel ziehen wollten.

Was mich daran erboste: sowohl ein ehemals hoher Richter als auch eine Abgeordnete der FPÖ wandten sich dabei auch gegen die Darstellung des Entführungsopfers – waren aber zu feige, Kampusch der Lüge zu beschuldigen. Sie taten das nur indirekt – indem sie die mehrfach untersuchte Einzeltätertheorie und den Selbstmord des Entführers in Frage stellten.

Andere Verschwörungstheoretiker gingen weiter. Im Internet wurde das Opfer wüst beschimpft, auch die Politik mischte sich ein: HC Strache mutmaßte, Kampusch könnte in Gefangenschaft Mutter geworden sein (als ob das etwas an íhrer grauenhaften Lage während der 8,5 Jahre „Haft“ geändert hätte), ein blauer Polizei-Personalvertreter wollte in einer Schule ein Kind zum DNA-Test verführen, um eine Mutterschaft Kampuschs nachzuweisen (natürlich unsinnig!), und erst in der Vorwoche wurde in einer FPÖ-Parlamentsanfrage einem der führenden Ermittler, Ernst Geiger, unterstellt, in Sachen Kampusch einen Porno-Ring zu decken.

Nun haben auf Wunsch der Zweifler deutsche und US- Ermittler noch einmal alles geprüft. Fazit: die Angaben Kampuschs stimmen. Wer nun noch immer an Verschwörungstheorien bastelt, mißbraucht sie neuerlich. Sie hat alles Recht auf Frieden. Und wie sie ihr Trauma bearbeitet, ist ausschließlich ihre eigene Sache.

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