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Der Feind in meinem Bett

Markus R. Leeb über die Liaison von Andreas T. und Viktor O.

Wirtschaft - Der Feind in meinem Bett © Bild: NEWS/Stögmüller Katharina

Das war eine gelungene Überraschung, als Erste-Bank-Boss Andreas Treichl am Montag Seite an Seite mit Ungarns Regierungschef Viktor Orbán den Einstieg des Nachbarlandes bei der lokalen Erste-Bank-Tochter verkündete. Mit 15 Prozent beteiligt sich Ungarn an der Erste Bank Hungary, dem zweitgrößten Finanzinstitut Ungarns. Was aber hat Treichl dazu gebracht, ausgerechnet einen erklärten Feind in sein Bett zu holen?

War der Einladung der Erste Bank an Ungarn etwa ein Angebot Orbáns vorausgegangen, das Treichl nicht ablehnen konnte? Gleichzeitig hat sich die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBRD mit 15 Prozent an der Erste Bank Hungary beteiligt. Darin dürfte auch die Erklärung liegen. Die Situation der Banken in Ungarn war verfahren.

Orbán hat sie durch eine exorbitante Bankensteuer und einen aufgezwungenen Franken-Wechselkurs tief in die Verlustzone gedrückt. Im Gegenzug stockte die Kreditvergabe. Die EU hat genau nichts getan. Die EBRD, an der Ungarn wie 60 andere Staaten beteiligt ist, als Vermittler zu holen, war Treichls kluger Schachzug. Nun werden die Bankensteuer reduziert und neue Kredite verpflichtend vergeben. Treichls Einladung war eine Geste. Wieso sich Ungarn aber tatsächlich bei der Erste-Tochter eingekauft hat, bleibt ein Rätsel.

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