Kultur von

Eine ganze Welt aus dem Nichts

Heinz Sichrovsky über einen herrlichen Abend für Tabori

Kultur - Eine ganze Welt aus dem Nichts © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo

Was war das für ein Glanz: aufwandlos auf leerer Akademietheaterbühne, mit zwei Sesseln, einem Kübel und einem Pflock Kreide als einzigen Requisiten. An diesem Abend, an dem der rekonvaleszente Zweijahrhunderteschauspieler Gert Voss und der kongeniale Ignaz Kirchner George Taboris 100. Geburtstag begingen, verstand man, woran das Burgtheater krankt und wie es gesunden könnte.

Angeleitet von Taboris Dramaturgin Ursula Voss, taten die beiden nichts als herrlich Theater spielen. Erzählend, improvisierend erschufen sie so aus dem Nichts die Protagonisten des Beckett’schen „Endspiels", so wie der alte George es sie gelehrt hatte: dass großes Theater aus den zur Höchstleistung sensibilisierten Fähigkeiten der Schauspieler kommt. Zur nämlichen Zeit wird am Nebenschauplatz Kasino eine Handke-Produktion wegen Publikumsmangels abgesetzt: Als die Finanzkatastrophe schon an den Wänden glühte, ließ die Regisseurin Katie Mitchell dafür das Ensemble zu den Proben nach England einfliegen, forderte (und bekam) einen neuen Beamer für 350.000 Euro und war nicht unter 700.000 Euro Produktionskosten verfügbar. Besser, man agierte seltener wie Mitchell und öfter wie Voss und Kirchner. Wobei freilich deren Einzigartigkeit selbst das technische Arsenal der NASA kompensieren könnte.

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