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Wenn alle jubeln, verliert das Volk

EU-Wahl. Am Wahlabend jubelten alle Parteien über große und kleine Wahlerfolge. Ein Phyrrussieg, denn 55 Prozent der Österreicher blieben frustriert den Urnen fern.

Inside - Wenn alle jubeln, verliert das Volk © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo

Stillstand ist, wenn alle jubeln. Wir sind zwar mehrheitlich mit der Arbeit der Regierung und vieler Oppositionspolitiker unzufrieden, den Mut, diese Pleiten-Pech- und Pannentruppe abzuwählen, haben wir aber auch nicht. So kam, was kommen musste im Land der Spritzer-Trinker und Stammtisch-Grantler: Am Wahltag gab es nur Sieger. Da jubelte der hölzerne ÖVP-Spitzenkandidat Othmar Karas trotz Stimmenverlusten über Platz 1. Den hat er wohl vor allem deswegen bekommen, weil er bewusst auf die Nennung seiner Partei auf Wahlplakaten verzichtet hat.

Die SPÖ jubelte auch, weil sie mit TV-Spaßkanone Eugen Freund als recht ahnungslosem Spitzenkandidaten immerhin Platz 2 halten konnte – wenn auch mit einem der schlechtesten Stimmenergebnisse aller Zeiten. Auch die rechtsdrehende FP-Rapper-Truppe konnte jubeln, denn sie hat zwar ihr Ziel, Nummer 1 zu werden, klar verfehlt, aber Ober-Rapper H.-C. Strache darf jetzt gleich vier Irrlichter nach Brüssel schicken.

Die Grünen jubelten über 15 erreichte Prozent, endlich ein Ergebnis, das den Umfrageergebnissen am Wahltag halbwegs nahe kam. Auch Neos jubelten, wenn auch verhalten. Doch immerhin werden sie ihre sehr blonde Spitzenkandidatin, die so gerne unser Wasser privatisieren würde, nach Brüssel entsorgen und haben damit eine Zeitbombe für die nächsten Wahlen entschärft.

Nicht gejubelt haben rund 55 Prozent jener Österreicherinnen und Österreicher, die auf diese EUWahl gepfiffen haben. Eine erschreckende Zahl der Nichtwähler, die zeigt, wie frustriert die Mehrheit im Land von den Parteien ist, von einer Politik des Verharrens, des Mauerns und des Streitens. Und es zeigt auch ganz klar, wie die nächsten Wahlen gewonnen werden – nämlich dann, wenn man dieser Mehrheit wieder eine Politik anbietet, die den Menschen das Gefühl gibt, ernst genommen zu werden.

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