Fakten von

Was die anderen nicht sehen

Yilmaz Gülüm © Bild: NEWS

Dieses Foto. Diese Party. Mein Blick. Wieso hat das der nette „Freund“ auf Facebook gepostet? Von solchen Abenden sollte es wirklich keine Beweisfotos geben – schon gar nicht online. Ich kann nur hoffen, dass die Regeln der analogen Welt auch für die digitale gelten. Im normalen Leben kriegen unsere Fehltritte nämlich viel weniger Menschen mit als wir meinen. Wir überschätzen die Aufmerksamkeit, die uns andere schenken. Sozialpsychologen nennen das den „Spotlight- Effekt“. Wir glauben, wir stehen im Scheinwerferlicht, alle Augen sind auf uns gerichtet: Was haben wir an? Wie sehen wir aus? Fragen, die alle Welt bewegen – glauben wir. In Wahrheit schaut aber eh keiner hin. Die eigene Welt steht nämlich nur für einen selbst im Mittelpunkt. Ein Beispiel: Wir laden Gäste ein und fragen uns, ob ihnen auffällt, wie unaufgeräumt die Wohnung ist. Und die Gäste fragen sich, ob uns auffällt, dass die mitgebrachte Flasche Wein ein Billigprodukt ist.

Die anderen Menschen machen sich also keine Gedanken über uns, sondern in erster Linie über sich selbst. Das beruhigt. Wir können uns seelenruhig aufführen und daneben benehmen. Die anderen sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie unsere Fehltritte nicht mitbekommen. Außer vielleicht, man schreibt eine Kolumne darüber. Ups.

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