Menschen von

Winnetou hat uns verlassen

Spitzentöne: Heinz Sichrovsky über den Tod von Pierre Brice

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS

Mindestens das Amt des Landesjägermeisters dürfte Pierre Brice seit seinem vorwöchigen Zuzug in die ewigen Jagdgründe nicht mehr zu nehmen sein. Selbst ich - ein Karl-May-Geprägter der reinen Lehre - konnte mich der Aura dieses lebenslangen Winnetou-Synonyms nicht entziehen. Obwohl doch das, was da im spät-titoistischen Karst hergestellt wurde, mit dem Werk des titanischen Vielschreibers oft nur die Namen der Figuren gemein hatte.

Wer je mit den Fingern in einer Packung des scheußlichen Linde-Feigenkaffees gegraben hat, um der dort verborgenen Karl-May-Figuren aus Plastik habhaft zu werden, der weiß etwas von der damals obwaltenden Magie. Man kann sagen, dass die Karl-May-Filme nicht nur den betrüblichen Abstieg des Autors, sondern auch den begrüßenswerten des Feigenkaffees um ein Jahrzehnt verzögert haben.

Die Schmuddelkinder an den Kinokassen, die womöglich noch nie einen Karl-May-Band in Händen gehalten hatten, betrachteten wir mit Arroganz. Über Lex Barker, den Old Shatterhand, konnten wir nur lächeln: Dieser teilbelichtete Tarzan-Imitator hatte mit dem universalgenialen, aber äußerlich unauffälligen Verfasser herzerweichender Marienlieder nichts, aber auch schon gar nichts gemeinsam.

Pierre Brice aber verkörperte den von seinem Verfasser homoerotisch adorierten Häuptling trefflich und bis zur Selbstaufgabe. Es ist kein Zufall, dass sich sein Berufsleben in dieser Rolle erschöpft und erfüllt hat, während sich Barker noch durch den einen oder anderen Spaghettiwestern dögelte.

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